Campertraum aus Arizona

VW T2 Restaurierung: Von der Ruine zum Note-1-Schmuckstück

Die Frage, warum Arndt Hovestadt einen VW T2a Westfalia Camping Bulli selbst wieder aufgebaut hat, ist schnell beantwortet: „Eigentlich war ich immer schon VW-infiziert. Mein Vater war Autoverkäufer beim örtlichen VW-Händler. Als Kind hätte ich mit verbundenen Augen einen T2 vom T1 unterscheiden können. Am Geruch!"
Campertraum aus Arizona: Von der T2 Ruine zum Note-1-Schmuckstück © Bodo Wistinghausen, Arndt Hovestedt
Campertraum aus Arizona: Von der T2 Ruine zum Note-1-Schmuckstück

Der 45-jährige Grafiker aus Münster erzählt, dass er schon mit 18 Jahren seinen ersten T2, einen Scheiben-Bulli mit nachgerüstetem mittigem Pop-Top und Schlafbank bekam. Den Zustand beschreibt er heute wie folgt: „Mit dem war ich Dauergast beider örtlichen Polizei, um meine Mängelkarten abzubauen.“

Das nächste Projekt, die erste Restaurierung eines T2, scheiterte kurz vor Fertigstellung an der finanziellen Puste. Aber: Ein guter Freund erbte von seinem Onkel einen originalen 71er Westfalia-Camper, mit dem eroberten sie gemeinsam ganz Frankreich.

Da war der Keim gesät, auch wenn gute 20 Jahre ins Landgehen sollten, bis sich Arndt Hovestadt sicher war, eine erneute Restaurierung stemmen zu können.

Die Bekanntschaft zu einem Profi machte ihm die Sache schmackhaft. Der Kollege in der gemeinsamen Schrauberhalle importierte T2s aus den Sonnenstaaten der USA.

Eine gute Basis für eine Restaurierung

„Nachdem ich da eine Menge Bullis kommen und gehen sah, kam der alte Traum wieder hoch“, erinnert er sich. Schnell fiel sein Blick auf einen T2a mit den runden Radkappen – als original Westfalia-Camper.

Im Januar 2013 war das richtige Auto gefunden. Das 70er Campmobile hatte ganze 16 Jahre auf einem Schrottplatz in Arizona gestanden.

Der Münsteraner ging aufs Ganze und kaufte ohne vorherige Besichtigung. „Inklusive Transport kam der Kaufpreis auf 6.000 Euro, da würde eine eigene Reise schon ins Gewicht fallen“, rechtfertigt er das Risiko.

Nach der Ankunft in der Heimat ergab die erste Begutachtung, dass wirklich alle Teile überarbeitet werden mussten. Aber: „Die Blechsubstanz war in der Tat sensationell.“ freut er sich im Nachhinein über den Blindkauf des T2a.

Die ganze Dimension der nötigen Arbeiten offenbarte sich beim Zerlegen. Das Einzige was drin bleiben konnte, war die Hinterachse.

Dünnes Blech

Einige Blecharbeiten waren trotz der guten Grundsubstanz erforderlich. So waren die Kniebleche im vorderen Radhaus durchgerostet sowie der Batterieboden.

Auch die Gurtaufnahmen wurden erneuert. Vorne rechts hatte der Bulli zudem einen leichten Unfallschaden, der die Frontmaske in Mitleidenschaft gezogen hatte.

„Vor der Restaurierung wollte ich alles möglichst perfekt machen und das heißt im Zweifelsfall: Neuteil vor aufarbeiten.“ Leider sind keine neuen T2a-Frontbleche zu haben.

Es gibt Nachfertigungen aus Brasilien für den T2b, die hätten angepasst werden können. Aber die Bleche waren wirklich schlecht. „Das war sofort zu erkennen, weil die nur die Hälfte gewogen haben, so dünn waren die,“ erinnert er sich.

Ebenfalls problematisch war die Instandsetzung des Armaturenbretts. Schon Ende der 60er-Jahre hatten die US-Modelle die Instrumententafel vollständig mit Kunststoff verkleidet. Es war in einem desolaten Zustand und in Deutschland ist dafür ohne weiteres kein Ersatz zu bekommen.

Aber es sollte noch schlimmer kommen. „Man konnte die Auflage auch nicht einfach entfernen, denn darunter war das Blech zum Anbringen des Plastiks mit diversen Montageschlitzen versehen.“ Jeder einzelne hätte mühsam zugeschweißt werden müssen, aber dafür war das Blech zu dünn.

Ein Ersatz war bald besorgt, passte aber nicht. Das Teil war vom T2b, und hatte keine Aussparung für die Lenksäule. „Blöd war, dass wir das Armaturenbrett schon lackiert hatten und den Unterschied erst beim Einbau merkten“, ärgert sich der Grafiker.

Kein Einzelfall: Es gab immer wieder Teile, die erstaunlich schlecht zu beschaffen waren. Das Lüftungsgitter vorne war so ein Beispiel. Für den für T2a nicht zukriegen, wäre es beim T2b kein Problem.

Auch hintere Stoßstangen sind nicht zu bekommen. Wenn es sich um simple Blechteile handelt, lässt sich immer noch viel ausbessern.

T2 mit undichtem Motor

Große Probleme machte der Motor. Das fing schon mit den Heizbirnen an. Die Originalmaschine leckte am dritten Zylinder unter dem Ölkühler. Ein undichter Ölkühlerflansch war schnell ermittelt und abgedichtet.

Doch danach zeigte sich, dass die Undichtigkeit auf einen Blockriss zurückzuführen war. Deshalb wurde der 47-PS-Boxer gegen einen stärkeren Zweikanalmotor getauscht.

Beim Probelauf zeigte sich eine Unwucht, deren Ursache nicht lokalisierbar war. Insgesamt neunmal hat der Münsteraner die Maschine eingebaut, bis er resignierte: „Wir haben den Motor von Grund auf zerlegt und neu aufgebaut, und ihn dann zu einem Spezialisten gebracht, der noch die Schwungscheibe getauscht hat.“

Westfalia ist nicht VW

Ein wesentlicher Bestandteil der Restaurierung kommt bei einem Campingmobil natürlich der Inneneinrichtung zu. Hier gibt es eigentlich nur „hopp oder topp“: Die Furniere der Schränke sind im Original nicht mehr zu bekommen.

Die meisten Einrichtungen sind über die Jahre ausgebleicht. Da bleibt entweder Stückwerk mit dem Austausch von Teilen oder eine komplette Überarbeitung mit nachgefertigten Furnieren.

Arndt Hovestadt wählte eine dritte Variante, er kaufte einen Teileträger mit annehmbarer Innenausstattung, von der aber immer noch fast alle Metallscharniere und Beschläge überarbeitet werden mussten. Im Hochschrank prangte zudem ein Loch, dass der Vorbesitzer für einen Lautsprecher ausgeschnitten hatte.

Hier griff der 45-Jährige zu einer listigen Lösung: „Ich besorgte ein passendes Lüftungsgitter. Entsprechend lackiert sieht es jetzt so aus, als würde es da tatsächlich hingehören.“

Viele Kleinigkeiten

Die beidseitigen Westfalia-Fenster mit den Alugittern zum Öffnen verdienen besonderes Augenmerk. Die meisten sind so ausgeleiert, dass sie sich von außen einfach aufdrehen lassen. Die alten Fenster waren bei weitem nicht perfekt, aber, „sie gehörten noch zu den besten, die ich je in der Hand hatte.“ Also wurden sie zerlegt und von allem Dreck befreit.

Das Aluminium wurde anschließend gestrahlt und mit der Hand geschliffen sowie poliert. Zum Schluss wurde das Metall versiegelt. Eine Woche Arbeit steckte am Ende in den Teilen. Das Fazit: „Für ein gutes Fenster müsste man gut 300 Euro einrechnen.“

Umgekehrt verhielt es sich beim Lenkrad. Die Bakelitlenkräder sind meist schwer angegriffen und natürlich kaum zu kriegen. Hovestadt ließ sich seins vom Spezialisten restaurieren und neu lackieren. „Für ein perfektes Gebrauchtteil sind 500 Euro fällig, da bin ich so besser weggekommen.“

Auch bei den Rücklichtern musste gebastelt werden. Er wollte die roten Originale wegen dem Chromrand behalten. Die deutschen Äquivalente haben nur einen verchromten Plastikrand. Dafür musste aber die Einkammerversion aus den USA auf die hierzulande geforderte Zweikammerleuchte umgebaut werden.

Die Moral von der Geschichte

Nach einem Projekt ist man immer klüger. Auch Arndt Hovestadt denkt heute anders: „Am Anfang wollte ich möglichst perfekt mit Neuteilen arbeiten. Heute habe ich viel mehr Respekt vor dem Original.“

Viele Nachfertigungen erreichen nicht die Qualität von damals, andere sind richtiggehend gefährlich.

So hatte der Münsteraner zwischendurch billige Traggelenke für die Vorderachse, die nach der Kurve nicht selbsttätig zurückliefen. Also arbeitete er dann doch die alten Teile auf – und das würde er heute immer vorziehen.

Die zweite Erkenntnis lautet: Probleme tauchen bevorzugt auf, wo keiner mit ihnen rechnet. So konnte Hovestadt zunächst keine Firma finden, die in der Lage war, das neu zusammengestellte Fahrwerkeinzustellen: „Sogar der VW-Händler winkte ab.“

Dritter Punkt: Einen Westfalia T2 zu restaurieren heißt, Kontakte in die USA aufzunehmen. Hier lassen sich etwa Dachzelte und Dichtungen bestellen.

Und schließlich: „Wenn man glaubt, endgültig durch zu sein, ist man bestimmt noch nicht fertig“, weiß Hovestadt aus leidiger Erfahrung. So pfeifen die Türdichtungen vorne ab Tempo 90 ganz furchtbar, weil sie nicht bis in die oberen Ecken gehen.

Gutes Ende

Bei der Wahl der Lackierung schließt sich dann der Kreis zur Vergangenheit. „Meine Großeltern hatten in den 80er-Jahren einen Scheibenbulli in rot/weiß“, begründet Arndt Hovestadt die Kombination mit dem originalen Montana rot als Hauptfarbe.

Der Blick zum Detail ging so weit, dass die Scheibenwischer selbst lackiert wurden, weil es sie in Silber nicht gibt. Zum Abschluss spendierte er dem Bulli moderne Reifen im Diagonalreifen-Retrodesign.

Insgesamt ein Jahr und über 750 Arbeitsstunden steckte der Münsteraner in das Projekt.

Die abschließende Expertenmeinung gibt dem 45-Jährigen in allen Punkten recht. Das Westfalia Campmobile bekam die glatte Note 1.

 

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TEXT: Bodo Wistinghausen, FOTOS: Bodo Wistinghausen, Arndt Hovestedt
Fotos: 
Bodo Wistinghausen, Arndt Hovestedt
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