Der bessere Samba?

Ford Taunus Transit 800TT - Besser als der T1? Aber ja!

Wer rechnet damit, auf einem US-Oldtimer-Treffen auf einen Ford Taunus Transit 800TT zu treffen? Der „Samba“-Version von Ford und außerdem am Abend als frischgebackener „Busfahrer“ den Heimweg anzutreten? Keiner! Doch Peter Härtel ist es passiert und er verrät, warum sein Kleinbus besser ist als der berühmte VW T1 Samba.

„Samba Colonia“: Mit neun Sitzplätzen und 17 Fenstern tritt der Ford Taunus Transit 800TT gegen den VW Bulli T1 Samba an. © Bodo Wistinghausen
„Samba Colonia“: Mit neun Sitzplätzen und 17 Fenstern tritt der Ford Taunus Transit 800TT gegen den VW Bulli T1 Samba an.

Eigentlich schlägt das Herz von Peter Härtel für US-Oldtimer. Doch als er 2010 zu einem amerikanischen Oldie-Treffen nach Oldenburg fuhr, machte er eine unerwartete Bekanntschaft mit einem Kölner: einem rot-weißen Ford Taunus Transit 800TT. Der Konkurrenz des VW Bulli T1 Samba.

„Man guckt natürlich auch mal über den Tellerrand," weiß der Westfale. „Und da fällt so ein Auto zwischen den riesigen Limousinen aus Übersee auf."

Rasch kam Peter Härtel mit den Besitzern ins Gespräch und noch bevor die Sonne unterging, hatte der 50-Jährige ein Auto mehr. Und zwar eine echte Rarität: einen Panorama-Bus von Ford. Einen Ford Taunus Transit 800TT.

Auch wenn bei dem Wort „Samba“ fast jeder an den VW Bulli T1 denken mag, beschreibt es doch allgemein die schicke Sonderausführung mit Dachrandfenstern, lebhafter Lackierung und viel Chrom.

Doch als sich die Kölner endlich an dieses Konzept wagten und 1962 den Taunus Transit 800TT (G1 BTO/L) auf die Straße brachten, war die Wolfsburger Luxusausführung mit 23 Fenstern bereits seit elf Jahren unterwegs.

Der Marktführer stand damit fest. Außerdem stellte der Panorama-Transit kein sensationell neues Modell dar, sondern eine besonders edel ausgestattete Version des Transporters mit „nur“ 17 Fenstern.

Die Konzepte im Vergleich: Köln vs. Wolfsburg

Doch auf einen Clou ist Peter Härtel besonders stolz: Die mittig auf dem Dach sitzende Passat-Luke aus Plexiglas kann dreifach eingestellt werden für zugfreie Be- und Entlüftung. „Das System ist einfach zu bedienen und erfüllt seinen Zweck perfekt“, freut sich der Besitzer.

Eigentlich ist das Kölner Konzept sogar besser als das von VW, wie der Oldie-Freund findet. Ford warb damals mit einem fünf Kubikmeter großen, ungeteilten Laderaum. Bei der Neunsitzer- Version sind das drei Sitzbänke im Fahrgastraum, die alle ausreichend Beinfreiheit bieten, inklusive Stauraum unter den Sitzen.

Der Frontmotor des Transit hinter der Vorderachse ermöglicht einen ebenen Fahrzeugboden und eine große Heckklappe. Härtel schwärmt von der Wandelbarkeit seines Ford: Mit einigen Handgriffen baut er die Bänke aus und fertig ist der Großraumlieferwagen.

Zudem zeigt der Transit mit der Maschine aus der Taunus-15m-Limousine deutlich bessere Fahrleistungen als der T1. Trotz seines etwas höheren Gewichts sind beim Kölner 120 km/h angegeben – für die damalige Zeit beachtenswert.

Den Motoren aus dem Taunus verdankt der Transit seinen zusätzlichen Namen. In Verbindung mit einem moderneren Gesicht und einer breiten, ungeteilten Frontscheibe ergibt sich ein harmonisches Gesamtbild mit hellem Innenraum und perfekter Rundumsicht. Alles Kriterien, bei denen der Samba-Bulli wohl ins Hintertreffen käme …

Über die Stückzahlen kann heute nur spekuliert werden. Warum der Kölner Panorama-Bus in Vergessenheit geraten ist, kann sich Härtel nicht erklären. „Ich war mit ihm auf einem Ford-Klassikertreffen, da waren auch Offizielle von Ford. Die sprachen mich auf den Bus an und wollten gar nicht glauben, als ich denen sagte: ‚Den habt ihr mal gebaut!‘“

Sein Kleinbus hat noch eine weitere Besonderheit: Der Taunus Transit, Baujahr 1965, war seinerzeit nach Schweden geliefert worden und da dort noch Linksverkehr herrschte, bekam er eine zusätzliche hintere Seitentür auf der linken Seite verpasst.

„Auch die Sitze waren auf der anderen Seite, das haben wir dann umgebaut“, erklärt der Besitzer. Die erforderlichen Verstrebungen im Wagenboden waren schon vorhanden.

„Samba Colonia“ im Topzustand

Besonders freut ihn der exzellente Originalzustand seines TT. In regelmäßigem Gebrauch war der Bus wohl nur bis etwa 1973 – kaum Rost an der Karosserie und auch die Inneneinrichtung musste nur ausgebessert werden.

Peter Härtel ließ nur die Schaumstoffkerne in den Sitzen erneuern. Die Inneneinrichtung ist perfekt auf die farbenfrohe Bicolor-Außenlackierung abgestimmt. Auch die Innenverkleidungen passen, bis hin zur gesteppten Motorabdeckung zwischen den Frontsitzen.

In der ursprünglichen Version des Ford Transit der ersten Generation saß der Motor noch weit vor der Vorderachse, was wohl eine unangenehme Kopflastigkeit verursachte. Doch im Panorama-Bus sitzt der Motor hinter der Vorderachse.

Dafür taugt der enge Zugang von oben nur für gewisse Wartungsarbeiten. Das meiste muss von unten gemacht werden. Doch der „Samba Colonia“ ist robust und einfach konstruiert, da bleibt jede Menge Zeit für den Fahrspaß!

TEXT und FOTO: Bodo Wistinghausen
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