Alt gegen neu

Volvo P1800ES und Volvo C30 im Vergleich

Mit dem P1800ES schuf Volvo eines der ersten Sportcoupés mit Kombiähnlicher Heckklappe. Wir vergleichen den ersten Volvo-Sportkombi mit dem aktuellen C30, der ebenfalls eine große Heckklappe besitzt. 

Der Schneewittchensarg trifft seinen aktuellen Coupé-Nachfolger © Jorn Müller Neuhaus
Der Schneewittchensarg trifft seinen aktuellen Coupé-Nachfolger

Als Volvo Anfang der 60er-Jahre den P1800 vorstellte, konnte wohl niemand ahnen, dass dieses Auto und sein Nachfolger, das Kombicoupé P1800ES zu Kultobjekten werden würden.

Klugerweise nimmt Volvo in der Werbung für den aktuellen Volvo C30 nur dezent Bezug auf den als »Schneewittchensarg« bekannten P1800ES, den vielleicht ersten »Lifestyle-Sportkombi«.

Der P1800ES erschien Ende 1971. Sein auffälligstes Merkmal war die gläserne Heckklappe, die das lange und flache Kombiheck krönte. Angeblich hatten die Designer den Auftrag, den P1800 so zu überarbeiten, dass im neu zu schaffenden Auto eine Golfausrüstung problemlos transportiert werden könne

Hauptgrund war wohl eine in den USA 1970 eingeführte höhere Steuer auf Sportwagen: Der P1800ES konnte dank Heckklappe als Kombi und günstiger angeboten werden! Der 2-Liter-Vierzylinder mit Einspritzung mobilisiert 120 PS, die dem schönen Schweden zu einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 190 km/h verhelfen.

Das Vierganggetriebe mit zuschaltbarem Overdrive senkt dabei die Drehzahlen auf ein erträgliches Niveau. Von P1800ES wurden  von 1971 bis 1973 lediglich 8.077 Exemplare hergestellt, was wohl auch an dem vergleichsweise hohen Preis von etwa 26.000 DM lag – das war teurer als ein Porsche!

Wichtigste Gemeinsamkeit: die große Klappe

Optisch fallen zwischen dem neuen C30 und dem alten P1800ES nur zwei Gemeinsamkeiten auf: die tief heruntergezogene große Heckklappe und der Hüftschwung, der beim P1800Es in angedeuteten Heckflügeln ausläuft und beim C30 in die Volvo-typischen vertikalen Rückleuchten.

Und natürlich die Schwedenstahl-Anmutung: Beide Fahrzeuge sind für ihr Baujahr ausnehmend solide und hochwertig verarbeitet.

Der P1800ES von Andreas Bach ist ein US-Modell in der seltenen Farbe Sonnengelb. Er erwarb den 1973 gebauten Wagen im Jahr 2005 mit gut 220.000 Meilen Laufleistung und restaurierte das Kombicoupé im Laufe eines Jahres komplett.

Die Farbe »Sonnengelb« ist ein originaler, allerdings recht selten gesehener Volvo-Farbton, der den Volvo für Andreas Bach noch exklusiver macht, es es ohnehin schon ist.

Der C30 ist mit Benzin- und Dieselmotor von 100 bis 230 PS lieferbar. Sie verhelfen dem hübschen Lifestyle-Kombi zu standesgemäßen Fahrleistungen, die dank elektronischer Helferlein wie ESP und ABS sicher auf die Fahrbahn gebracht werden.

Unser Test-Volvo war mit dem 180 PS starken 5-Zylinder-Turbodiesel ausgestattet, der keine Wünsche an Fahrdynamik und Leistungsentfaltung offen ließ – lediglich eine lästige Turbo-Gedenksekunde beim Beschleunigen trübte die Fahrfreude ein klein wenig. Die GPS-ermittelte Höchstgeschwindigkeit von 229 km/h übertraf die Werksangabe von  225 km/h mühelos!

Das Fan-Verdikt

Wie nun beurteilt Andreas Bach den modernen Nachfolger seines Klassikers? Zunächst einmal ist er froh, dass Volvo der Versuchung widerstand, mit  einem Retrodesign eine Verwandschaft zum P1800ES  herzustellen, die nicht vorhanden ist.

Trotzdem gefällt ihm der neue Volvo gut: Der C30 sei optisch gefällig und habe ein eigenständiges Design, das ihn von anderen Konkurrenten positiv abhebe. Gemeinsamkeiten mit dem P1800ES sieht er allenfalls in der soliden Verarbeitung, dem Hüftschwung und dem gläsernen Heck beider Fahrzeuge.

Erstaunt ist er darüber, dass der »alte« P1800ES fahrwerksmäßig wesentlich komfortbetonter und weicher ausgelegt ist als der C30. Das Platzangebot sei im Schneewittchensarg sogar besser als im C30. Auch in Punkto Übersichtlichkeit gewinnt der Klassiker: Dank schmaler Fenstersäulen und großzügiger Verglasung ist der Innenraum heller als im C30 und die Sicht nach hinten und seitlich wesentlich besser. Wegen seines eigenständigen Designs könnte jedoch auch der C30 in Zukunft zum Klassiker reifen!

TEXT und FOTOS: Jorn Müller-Neuhaus
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