Kühlsystem warten, Fehler erkennen und beheben

So bleibt der Motor cool: Die Top 10 Fehlerquellen überhitzter Motoren und was man dagegen tun kann

Nichts ist ärgerlicher, als mitten in einer Ausfahrt Probleme zu bekommen, weil der Motor „kocht“, also das Kühlsystem zu heiß wird. Da hilft im ersten Moment nur eine längere Pause, um größere Schäden zu vermeiden.

Kühlsystem warten, Fehler erkennen und beheben: Die Top 10 Fehlerquellen überhitzter Motoren und was man dagegen tun kann © Jörn Müller-Neuhaus
Kühlsystem warten, Fehler erkennen und beheben: Die Top 10 Fehlerquellen überhitzter Motoren und was man dagegen tun kann

Viele Oldtimerbesitzer pflegen eine Hassliebe zu heißen Sommertagen, weil sie dann immer in Sorge sind, dass Ihr Oldie „zu kochen“ beginnt. Dass muss nicht sein, denn die meisten Kühlsysteme von Nachkriegs-Oldtimern sind durchaus in der Lage, im normalen Alltagsverkehr für ausreichende Kühlung zu sorgen.

Wenn das nicht mehr der Fall ist und der Wagen schon bei einem kurzen Stau, einer Bergauffahrt oder gar bei normaler Fahrt zu heiß wird, liegt das meist an einem Defekt oder ganz allgemein daran, dass ein Kühlsystem im Lauf der Jahre an Wirkungsgrad und somit an Kühlfähigkeit verliert. Wir sprachen mit Franz Seitz, einem der Geschäftsführer des alteingessenen Augsburger Kühlerbau-Betriebs Bergmeir & Seitz, worauf es beim Kühlsystem ankommt.

Aufbau Kühlsystem

Bei einem flüssigkeitsgekühlten Motor zirkuliert die Kühlflüssigkeit durch Wasserkanäle im Motorblock und Zylinderkopf und durch einen am Motor angeschlossenen Kühler. Im Kühler wird die Kühlflüssigkeit durch Fahrtwind und Lüfter wieder so abgekühlt, dass der Motor möglichst im Bereich der optimalen Betriebstemperatur – das sind etwa 80 Grad Celsius – arbeiten kann.

Bei praktisch allen Nachkriegsfahrzeugen wird die Flüssigkeitszirkulation durch eine Wasserpumpe sichergestellt, die in Abhängigkeit von der Motordrehzahl die Flüssigkeit mehr oder weniger schnell zirkulieren lässt. Außerdem sorgt ein Thermostat im Kühlkreislauf dafür, dass die Kühlflüssigkeit erst bei Erreichen einer bestimmten Temperatur durch den Kühler fließt. So wird sichergestellt, dass der Motor schnellstmöglich auf Betriebstemperatur kommt.

Die Thermosiphonkühlung war bis Ende der 30er-Jahre bei vielen Fahrzeugen verbreitet, hier gibt es keine Wasserpumpe, die Flüssigkeit wird lediglich dadurch gekühlt, dass heißes Wasser nach oben steigt und kühles nach unten. Dieses Kühlprinzip kommt in der Tat schnell an seine Grenzen, wenn es warm ist und das Fahrzeug entweder steht oder beispielsweise bei Bergfahrten stark gefordert wird.

Das Kühlsystem wird in der Regel von einem Lüfter am Kühler unterstützt. Mechanische Lüfter werden durch einen Keilriemen angetrieben und laufen mit einer Drehzahl, die durch die Größe der Riemenscheibe und die Motordrehzahl definiert ist – langsam im Leerlauf, schnell bei hoher Drehzahl.

Das Problem dabei: der Lüfter dreht sich bei hoher Drehzahl und Fahrtgeschwindigkeit am schnellsten, genau in diesem Betriebszustand ist das aber unnötig, weil der Fahrtwind ausreicht. Umgekehrt ist seine Wirkung bei langsamer Fahrt oder im Stau am gerings­ten, obwohl dann hohe Anforderungen an das Kühlsystem gestellt werden.

Der Lüfter mit Viskokupplung löst dieses Problem: Eine Bimetallfeder im Zentrum des Lüfterrades trennt die Lüfterflügel je nach Temperatur vom mechanischen Lüfterantrieb. Das führt dazu, dass der Lüfterflügel je nach Temperatur im Kühlsys­tem unabhängig von der Motordrehzahl schneller oder langsamer dreht und damit nur so viel kühlt, wie es nötig ist.

Seit den 70er-Jahren hat sich der elektrische Lüfter auf breiter Bahn durchgesetzt. Hier wird der Lüfterflügel von einem Motor angetrieben, der nur bei Bedarf anspringt. Ist ein Motor kalt, bleibt der Lüfter komplett aus und hilft so, dass der Motor schnell auf Betriebstemperatur kommt.

Steigt die Temperatur trotz kühlendem Fahrtwind über einen bestimmten Wert, wird der Lüfter eingeschaltet. Dies geschieht meist automatisch durch einen im Kühlsystem integrierten Temperaturfühler, der beispielsweise bei 90 Grad den Lüfter einschaltet und ihn bei 75 Grad wieder deaktiviert.

Top Ten der Fehlerquellen

Wir haben die zehn wichtigsten Gründe für Überhitzen zusammengestellt, die Sie leicht erkennen und beheben können. 

  • Das Kühlsystem hat zu wenig Flüssigkeit. Füllen Sie es wieder auf, klären Sie die Ursache des Flüssigkeitsverlusts (zu heiß geworden, Undichtigkeit).
  • Der Thermostat ist defekt und öffnet den Kühlkreislauf entweder zum falschen Zeitpunkt oder gar nicht mehr. Überprüfen Sie den Thermostat, tauschen ihn gegebenenfalls aus und      befüllen das Kühl­sys­tem wieder neu.
  • Es ist Luft im Kühlsystem. Entlüften Sie das System sorgfältig.
  • Der Keilriemen, der Wasserpumpe und Lüfter antreibt, ist zu locker, Pumpe und Lüfter laufen langsamer, oft quietscht der Keilriemen bei Drehzahländerungen. Spannen Sie den Keilriemen nach.
  • Wenn ein Viskolüfter nicht mitläuft, ist wahrscheinlich die Viskokupplung defekt, und ein neuer Lüfter wird fällig.
  • Steht ein Elektrolüfter bei heißem Motor still, ist der Thermoschalter defekt, eine Sicherung durchgebrannt oder – sehr selten – der Lüftermotor selbst defekt. Überprüfen Sie den Stromkreis und den Thermoschalter, tauschen Sie ihn aus, wenn er bei hoher Temperatur den Stromkreis nicht mehr öffnet.
  • Dreck im Kühlernetz behindert eine optimale Kühlung. Das können Fliegen sein oder Straßenschmutz, der durch den Fahrtwind in das Kühlernetz gedrückt wurde. Reinigen Sie das Netz vorsichtig, am besten mit Druckluft von hinten nach vorne, also entgegen der Richtung des Fahrtwindes. Wenn Sie keine Druckluft nutzen können, säubern Sie das Netz vorsichtig mit einer mittelharten Bürste (keine Stahlbürste!).
  • Undichtigkeiten im Kühlsystem. Überprüfen Sie, ob die Kühlwasserschläuche dicht sind und ob Wasser zwischen einer Befestigungsschelle und dem Stutzen austritt. Ziehen Sie die Schelle fest und tauschen Sie defekte Schläuche aus.
  • Ein banaler Grund für ein Hitzeproblem kann auch vor dem Kühllufteinlass (Kühlergrill) liegen. Wurde der mit Clubabzeichen, Zusatzscheinwerfern und ähnlichem Zubehör verziert, ist der Einlassbereich für Luft drastisch verkleinert: der Kühler bekommt nicht genug Fahrtwind.
  • Ein Hitzeproblem kann auch durch eine falsch eingestellte Zündung oder zu mager eingestellte Vergaser entstehen. In diesem Fall sollte der Motor unbedingt korrekt eingestellt werden, denn ein falscher Zündzeitpunkt oder zu mageres Gemisch kann Löcher in die Kolben brennen. Leider können Hitzeprobleme auch größere – und meist teurere – Ursachen haben, die man nicht ohne Fachwissen und Spezialisten beheben kann.

Fälle für den Experten

Wenn Kühler und Wasserkanäle des Motorblocks nach jahrelangem Betrieb durch Kalk und Rost verstopft sind, kann die entstehende Wärme nicht mehr abgeführt werden, der Motor wird zu heiß. Zum Reinigen muss der Block mit kalk- und rostlösendem Reinigungsmittel gründlich durchgespült werden. Dies geht am besten bei ausgebautem Motor.

Soll der Motor im Auto bleiben, muss zumindest der Kühler abgebaut werden, damit der Block durch die beiden Wasseranschlüsse, die sonst zum Kühler führen, gespült werden kann. Zuerst wird der Block mit klarem Wasser gespült, um die losen Rückstände zu entfernen.

Dann wird mit dem Reinigungsmittel durchgespült. Dabei ist wichtig, immer von unten nach oben zu arbeiten, also entgegen der Kühlmittel-Laufrichtung! Bedenken Sie auch, dass sowohl altes Kühlmittel wie die Reinigungslösung umweltschädlich sind und nicht im Hausmüll oder der Kanalisation entsorgt werden dürfen.

Oft ist nach langer Nutzung das Kühlernetz nicht mehr in bestem Zustand. Überprüfen Sie, ob die Kühllamellen optisch unbeschädigt sind und ob sie noch fest mit den zwischen den Lamellen sichtbaren Kühlrohren verbunden sind: häufig lösen sich hier die Lötstellen, das Netz wird undicht und muss ersetzt werden.

Oft hat das Netz sich bereits zersetzt, obwohl es noch dicht hält. In beiden Fällen ist ein neues Kühlernetz oder ein neuer Kühler die einzige dauerhafte Lösung.

Auch die Wasserpumpe kann für zu viel Hitze verantwortlich sein. Entfernen Sie den Kühlerverschluss und beobachten Sie bei laufendem Motor, ob das Wasser sichtbar zirkuliert. Ist das nicht der Fall, kann die Wasserpumpe defekt sein und muss getauscht werden.

Der „worst case“ könnte eine defekte Zylinderkopfdichtung sein. Wenn Sie am Ölmessstab Wassertropfen sehen oder im Kühlwasser ölige Tropfen oder schleimige Ablagerungen, ist das ein Hinweis darauf, dass die Zylinderkopfdichtung erneuert werden muss. Der Defekt kann unter anderem durch Überhitzen entstanden sein. Eine neue Zylinderkopfdichtung muss in jedem Falle installiert werden.

Kühlsystem fit halten

Vorausgesetzt, Kühler und sonstige Komponenten des Kühlsystems sind in Ordnung, gehört nicht viel dazu, die Motortemperaturen im Griff zu behalten.

  • Verwenden Sie als Kühlmittel grundsätzlich Wasser und Frostschutz. Reines Wasser kühlt schlechter als die korrekte Wasser-Frostschutz-Mischung, vor allem ist Frostschutz auch Rostschutz! Destilliertes Wasser im Kühler ist übrigens keine gute Idee, da es aggressiv reagiert und das Material des Kühlsystems angreifen kann.
  • Auch das Kühlmittel altert. Wechseln sie es daher regelmäßig alle zwei Jahre komplett aus, spätestens jedoch, wenn im Kühlmittel Ablagerungen, Rost und Dreck zu sehen sind. Und denken Sie daran, auch die Flüssigkeit im Motorblock und der Heizung abzulassen!
  • Wenn Sie Kühlmittel ergänzen müssen, verwenden Sie Frostschutz derselben Marke – unterschiedliche Marken vertragen sich oft nicht, was zu Ablagerungen im Kühlsystem führen kann.
  • Stellen Sie sicher, dass der im Motorblock eingebaute Thermostat die richtige Öffnungstemperatur hat. 74 Grad ist ein guter Wert, wenn im Handbuch zu Ihrem Fahrzeug kein anderer Wert genannt ist. Die Öffnungstemperatur ist bei jedem Thermostat im Gehäuse eingeprägt.
  • Achten Sie darauf, dass der Kühlerdeckel den für das Fahrzeug vorgeschriebenen Druck aufbauen kann. Jeder Deckel hat eine Zahl wie 15psi oder 103 KPa eingeprägt, die aussagt, wie hochder Druck im System ist. Je höher der Druck, desto höher der Siedepunkt von Wasser!

Kühlsystem optimieren

Natürlich kann man auch auf Nummer sicher gehen und den Wirkungsgrad des vorhandenen Kühlsystem technisch optimieren. Dies ist dann nicht immer ganz billig, aber es beruhigt und hilft dem Motor, in kritischen Situationen cool zu bleiben.

  • Elektrischen Lüfter nachrüsten. Jeder Kühlerbauer hat die passenden Elektrolüfter im Programm und kann berechnen, wie leistungsfähig der Lüfter sein sollte. Wenn ein Elektrolüfter eingebaut wird, sollte der immer über einen automatischen Thermoschalter gesteuert werden, der am sinn­volls­ten im unteren Wasserkasten des Kühlers eingebaut wird – dort ist der kälteste Punkt im Kühlsystem und der Wassereinlauf in den Block.
  • Wenn ein Kühlernetz defekt ist, ist es immer sinnvoll, es beim Kühlerbauer durch ein Hochleistungsnetz zu ersetzen. Hochleistungsnetze bieten bei gleichen äußeren Abmessungen mehr Kühlfläche und damit mehr Wärmeabfuhr.
  • Bei besonders stark beanspruchten Fahrzeugen hilft es auch, den meist aus Messing gefertigten Kühler durch einen Aluminiumkühler zu ersetzen. Das ist teuer, bietet jedoch gleich zwei Vorteile: Aluminium ist ein besserer Wärmeableiter als Messing, und der Kühler ist wesentlich leichter als das Original.   
Jörn-M. Müller-Neuhaus
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