Pony Car Familientreffen

Mustang Fastback und GT im Vergleich

Immer mehr Autohersteller entdecken ihre Geschichte und bringen neue Autos mit klingenden alten Namen im „Retrodesign“ heraus. Wir testen in unserer neuen Serie, ob die Neuauflage des Mustang Fastback, der Mustang GT tatsächlich Klassikerpotential hat.

Mustang Fastback und GT im Vergleich © Jörn Müller-Neuhaus
Pony Car Familientreffen: Mustang Fastback und GT im Vergleich

Der Mustang ist ursprünglich ein verwildertes Pferd, das die nordamerikanischen Weiten bevölkerte. Es war ein eher kleines Tier mit bis zu 1,50 Meter Schulterhöhe. Was lag also näher für Ford, ihren 1964 präsentierten neuen und – nach US-Maßstäben – kleinen Sportwagen Mustang zu nennen? Schließlich hieß die Fahrzeugkategorie ja auch "Ponycars".

Und dass im Laufe der Jahre die Zahl der Pferde unter der Haube gewaltig anstieg, hat dem unglaublichen Erfolg des Mustang sicher nicht geschadet und hat mitgeholfen, die Klasse der "Muscle Cars" mitzubegründen.

Fahrzeuge mit dem Namen Mustang werden von Ford seit 1964 ohne Unterbrechung gebaut, aber für Fans sind nur die Modelle bis Baujahr 1973 „echte Mustangs“. Von 1974 bis 2004 hatte der Mustang wenig Ähnlichkeit mit dem Ursprungsmodell. Erst 2005 präsentierte Ford wieder einen Mustang, der sich optisch ganz bewusst an die zum Kult gewordene Formensprache der 60er-Jahre-Modelle anlehnte.

Der 68er-Fastback ist Kult

Wir baten einen aktuellen Mustang GT zum Vergleich mit seinem Designvorbild, einem 68er-Fastback, den der Landsberger Ulrich Rauschenberger zur Verfügung stellte. Das klassische Original wurde 2004 aus den USA importiert und dann einer gründlichen Restaurierung unterzogen.

Dabei wurde das Auto optisch so aufgebaut, dass es stark dem Mustang Fastback ähnelt, den Steve McQueen in dem Kultfilm Bullitt in einer atemberaubenden, 12-minütigen Verfolgungsjagd fuhr. Auch die Farbe des Wagen kommt dem im Film zu sehenden „Dark Highland Green“ sehr nahe. Als anständiges Muscle Car ist der Fastback mit einem leichtüberarbeiteten 4,7-Liter-„289er“-V8-Motor bestückt, der um die 300 SAE-PS per Automatik an die Hinterräder abliefert.

Gebremst wird ohne Servo mit vier Trommeln, die Lenkung ist servounterstützt. Der neue Mustang GT wurde uns von dem Münchner US-Car-Händler Geiger Cars zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um das aktuelle Fastback GT Coupé mit dem 300 PS starken 4,6 Liter V8 mit 5-Gang-Automatik. Optional ist der Wagen auch mit 5-Gang-Handschaltung und einem 4 Liter großen V6 mit 212 PS lieferbar. 

Das Duell der Generationen

Stehen beide Coupés nebeneinander, ist die Familienähnlichkeit unverkennbar. Ford ist es beim neuen Mustang gelungen, die Designsprache des Originals in die Neuzeit zu übertragen, ohne dass dies, wie bei manchen Retroautos, peinlich wirkt.

Im Vergleich mit dem Urahn wirkt der neue Mustang GT allerdings wesentlich wuchtiger ohne tatsächlich nennenswert größer zu sein.  Die Proportionen stimmen aber, und er wirkt mit seiner glattflächigen Form eher noch ein Stück aggressiver als sein Vorbild. Der 68er-Mustang dagegen erfreut das Auge mit vielen Details wie den chromverzierten Rückleuchten, den filigranen Stoßstangen sowie den verchromten Türschwellern.

Und während beim 68er-Mustang der Innenraum sich als helle, lichtdurchflutete Kabine von wohnzimmerähnlichen Dimensionen entpuppt, wird das Cockpit im neuen Mustang von einem freundlichen Schwarz dominiert. Chromblitzende Instrumente lachen den Fahrer aus einem mit Holzdekorfolie aufgehübschten Armaturenbrett im 68er-Mustang an, während der Neue seine ebenfalls chromumrandeten Uhren auf silberfarbenem Plastik präsentiert.

Trotz ähnlicher Außendimensionen hat man im alten Mustang mehr Platz –kein Wunder, nehmen doch weder Airbags noch ein dickes Sicherheitslenkrad oder ein wuchtiger Mitteltunnel den Insassen den Lebensraum weg. Das Fahrerlebnis wird in beiden Fahrzeugen durch den großen V8 dominiert, der unter der Motorhaube hockt. In beiden Mustangs genügt ein beherzter Tritt auf das Gaspedal, um die Kraft zu wecken, die lange schwarze Striche auf den Asphalt zeichnen kann.

Zugegeben: Der neue Mustang mit seiner modernen Automatik legt wesentlich giftiger zu, als der Urahn. Im Gegenzug klingt der 68er beim Gasgeben aber deutlich rebellischer als sein Enkel, dessen im Soundlabor abgestimmtes V8-Brabbeln nichtsdestotrotz für ein Kribbeln im Bauch sorgt.

Und auch beim Fahrwerk und den Bremsen ist der 2008er-Mustang dem 40 Jahre älteren Namensvetter weit überlegen: Der will mit seinen vier Trommelbremsen ohne Servo und dem altmodischen Fahrwerk vorausschauender und bedächtiger bewegt werden. Ein kommender Klassiker? Wer könnte die Frage, ob der neue Mustang ein würdiger Nachfolger mit Klassikerappeal ist, besser beantworten, als Ulrich Rauschenberger, der uns seinen 68er-Mustang zur Verfügung stellte und den Neuen probefuhr?

Für ihn ist das Reprodesign gelungen, die Familienähnlichkeit zum 67er- oder 68er-Mustang unverkennbar. Als GT ist der Neue vom Sound und der Leistungsentfaltung für ihn ein Traum. Weniger gut gefallen ihm das Heckdesign mit den klobigen Rückleuchten und der für ihn überflüssige Spoiler.

Die größten Kritikpunkte sind seiner Meinung nach die teilweise fragwürdige Verarbeitungsqualität und der im Innenraum verwendete Kunststoff, der „an Kastenwagen osteuropäischer Produktion“ erinnere. Trotzdem ist es für ihn der erste richtige Mustang seit 1973, und alleine schon dadurch hält er den aktuellen Mustang für einen zukünftigen Klassiker. Dies auch, weil der aktuelle Mustang wie sein Vorfahre ein „bezahlbarer“ Traum ist – soviel Leistung, Sound und optische Eigenständigkeit erhalte man sonst für rund 30.000 € nicht.

TEXT und FOTOS: Jörn Müller-Neuhaus
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