Oldtimer Megastore auf 12.000 Quadratmetern

Sensationeller Fund: Gigantisches Teilelager entdeckt

Es gibt Momente, die selbst einem Oldtimer-Fan, der viel gesehen hat, den Atem nehmen. Zwischen ungläubigem Staunen und Fassungslosigkeit begreift man beim stundenlangen Gang vorbei an überfüllten Regalen nur langsam das Ausmaß  dieses gigantischen Teilelagers. Ein Lebenswerks von 1948 bis 1987.
Sensationeller Fund: Oldtimer Megastore auf 12.000 Quadratmetern © Kay MacKenneth
Sensationeller Fund: Oldtimer Megastore auf 12.000 Quadratmetern

Zwei Etagen reicht das Lager unter die Erde und drei Stockwerke gen Himmel. Von außen ist dem Gebäude nicht anzusehen, was in ihm steckt: Ein Labyrinth aus Gängen, Etagen, Schränken, Dachböden, schmalen Schiebeschächten und uneinsehbaren Terrassen. Jede kleine Nische ist gefüllt mit fein säuberlich beschrifteten Teilen.

Das Ergebnis von 40 Jahren Arbeit

„Wie konnte das ein Mensch schaffen?“ fragt man sich. „Wie konnte dieser immense Schatz an Teilen bis heute bestehen bleiben?“

Wir reisen in die 1950er-Jahre. Der damalige Besitzer der Autoverwertung hatte den 1922 gegründeten Familienbetrieb übernommen und führte feinsäuberlich Buch über jedes Auto, das angeliefert und auseinandergenommen wurde.

„Gut, alles funktioniert. Kleiner Rostfleck“, steht beispielsweise auf einem kleinen Blechschild an einer voll ausgestatteten Türe, die nicht nur alle Griffe, sondern auch noch das komplett erhaltene Innenleben an sich hat.

Nur was wirklich nicht mehr zu gebrauchen war, kam in die Schrottpresse.

Das Lagergebäude füllte sich mit jedem Jahr mehr. Kühlermasken, Kotflügel und Türen reihen sich nach Marken und Modellen sortiert eng aneinander.

Jeder Winkel wird bis zum letzten Eck ausgefüllt. Scheibenwischerarme stapeln sich übereinander. Zylinderköpfe aller Marken drängen sich in den Regalen.

Zwischen Kühlern, Instrumenten und Anzeigen blitzen gelbe beschriftete Schilder hervor. An Wänden sind die Zündverteiler, deren Modell und Baujahr verzeichnet.

Unter dem Dachboden kommt man gar nicht mehr weiter. Als der Platz zu Ende war, wurden die Tanks einfach im Weg gelagert.

Überhaupt muss Platzmangel ein chronisches Problem gewesen sein. Wo es nicht mehr weiterging, wurde mit Pickel und Schaufel neuer Stauraum geschaffen.

Die Teilemenge ist unüberschaubar

Vorbei an einer Halle mit Käfer-Kotflügeln, geht es weiter in die Halle mit einer verwirrenden Menge an US-Blechteilen. Chevrolet, Mustang, Buick. Citroen-Teile finden sich in einer anderen Etage. Und hoch über allem: Windschutzscheiben, Fenster und Rückfenster.

Viele Regale scheinen kaum mehr erreichbar. Manchmal gibt es ein Wiedersehen mit der Fahrzeugbezeichnung und dem passenden Baujahr auf einem der gelben Blechschilder auf der schier endlosen Entdeckungstour vorbei an Scheinwerfern und Rücklichtern.

Wohlmöglich könnte man komplette Autos mit Teilen aus diesem unübersehbaren Schatz zusammenbauen.

Den Anfang macht man am besten in der großen Motorenhalle: Vom Rennwagen bis zum Mini, Italiener und Franzosen ist alles dabei. Wer weiß, vielleicht findet sich zum Jaguar E-Type oder Lancia-Fulvia- Motor auch noch das Blechkleid in irgendeinem Winkel des Labyrinths.

Der heutige Besitzer des Anwesens war selbst überrascht vom Ausmaß dessen, was er vor einem Jahr übernommen hatte.

Bis 1987 waren Fahrzeuge auf dem Anwesen verwertet worden. Später bemühte man sich anscheinend, über das Internet den Handel ins Laufen zu bringen.

Doch irgendwie war es der Besitzer wohl leid. Besucher, die vorbeikamen, um wie früher nach Teilen zu fragen, mussten unverrichteter Dinge den Heimweg antreten. Dennoch lag dem Autoverwerter sein Werk am Herzen …

1,5 Millionen Teile für ALLE Marken

Beim Abschluss des Vertrages musste der Käufer seinem betagten Vorgänger sein Wort geben, dass die Teile nicht in der Schrottpresse landen würden.

Ein großes Versprechen angesichts der Menge und mancher Überraschung. Noch Monate nach der ersten Begehung wurden neue Schlupfwinkel entdeckt.

Zwar sind alle Teile beschriftet, doch ein wirkliches System lässt sich nicht erkennen. Seit einem Jahr wird nun im "Oldtimer-Megastore" geräumt, damit die Gänge benutzt werden können für das große Auflösen.

Fadul Karaki, 21, wurde jetzt vom Eigentümer mit der Aufgabe betreut, das Massenlager abzuwickeln. „Natürlich wäre ein Komplettabnehmer der Traum.“ Bei geschätzten mehr als 1,5 Millionen Einzelteilen ein kühner Wunsch …

Ein Rundgang durch das Oldtimer-Teilelager

Dieses Video veranschaulicht eindrucksvoll die unfassbare Größe des Teilelagers:

Neben zahlreichen weiteren Fotos finden Sie auch ein weiteres Video auf classic-car.tv.

TEXT und FOTOS: Kay MacKenneth
Artikel aus Auto Classic Ausgabe 04/2015. Jetzt abonnieren!
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