So geht Ihnen eine Zündkerze nie aus

Ratgeber Zündkerzen

Wenn ein Motor schlecht läuft oder Zündaussetzer hat, wenn er zu viel Benzin verbraucht oder schlecht anspringt, liegt das oft an der Zündkerze. Ohne sie geht gar nichts, und dennoch wird sie meist stiefmütterlich behandelt. AUTO CLASSIC erklärt, wie Ihnen der Zündfunke nie ausgeht.

Im Laufe der Jahrzehnte gab es Dutzende Kerzenformen. Das Grundprinzip hat sich seit über 100 Jahren nicht geändert © Archiv Müller-Neuhaus
Im Laufe der Jahrzehnte gab es Dutzende Kerzenformen. Das Grundprinzip hat sich seit über 100 Jahren nicht geändert

Die Zündkerzen sind über Hochspannungskabel mit dem Verteiler verbunden, der jeden Zylinder im richtigen Moment mit einem Zündfunken versorgt. Angesichts der hohen Verbrennungstemperaturen von bis zu 2.500 Grad Celsius und des Drucks von bis zu 60 bar  ist nachvollziehbar, dass Zündkerzen hohen Beanspruchungen unterliegen. Mit anderen Worten: Sie sind ein Verschleißteil, das man regelmäßig überprüfen und bei Verschleiß ersetzen muss.

Zündkerzen bestehen aus einem Keramikisolator und zwei Elektroden. Als Masseelektrode dient das Gehäuse, die Mittel- oder Zündelektrode wird durch den Isolatorkörper geführt, sie ist oben über das Zündkabel mit dem Verteiler verbunden, und unten so auf der Kerze hinausgeführt, dass sie im Abstand weniger Zehntelmillimeter von der Masseelektrode entfernt ist.

Dieses Grundprinzip gilt auch für moderne Kerzen, die häufig mehrere Masseelektroden und anders ausgeführte Mittelelektroden besitzen, um einen optimalen Zündfunken und Verbrennungsablauf zu garantieren.

Kerzen überprüfen

Der erste Schritt ist die Sichtprüfung der ausgebauten Kerze. Der Isolator darf keine Risse oder anderen Beschädigungen haben, und auch der Dichtring am Kerzengewinde sollte ohne Beschädigung sein. Der nächste Blick gilt den Kerzenelektroden. Entfernen Sie Ablagerungen mit einer Kupferbürste oder einem kleinen Sandstrahlgerät von den Elektroden.

Sind die Elektroden feucht und riechen stark nach Benzin, ist das Gemisch zu fett, sind sie sehr hell (weiß-grau) und abgebrannt, ist das Gemisch zu mager. Starke Ölkohleablagerungen deuten auf schlechte Verbrennung und zu fettes Gemisch hin, nach dem Kerzentausch sollte also auch die Vergasereinstellung überprüft werden.

Sind die Elektroden abgebrannt, also sichtbar beschädigt, gehört die Kerze in den Müll. Dann überprüfen Sie den Elektrodenabstand. Den korrekten Wert finden Sie bei den technischen Daten ihres Fahrzeugs. Falls nicht, gilt ein Elektrodenabstand von 0,5 bis 0,7 Millimetern als guter Wert.

Ist alles optisch okay, aber der Motor läuft weiterhin schlecht, überprüfen Sie den Zustand von Verteilerkappe, Zündkabeln und Kerzensteckern. Sie dürfen keine Beschädigungen aufweisen, weil der Zündfunke dann zu schwach ist. Zur Überprüfung der Kabel gibt es kleine Tester, die man am Kabel entlang führt – ist die Isolation schadhaft, leuchtet eine kleine Lampe auf oder es gibt einen Warnton.

Beim nächsten Test lassen Sie den Motor im Leerlauf laufen und ziehen jeweils einen Zündkerzenstecker ab – tragen Sie dabei unbedingt isolierende Handschuhe, denn an der Zündanlage herrscht Hochspannung! Ändert sich der Motorlauf und wird normal, wenn der Stecker wieder aufgesetzt wurde, ist diese Zündkerze mit hoher Wahrscheinlichkeit in Ordnung.

Bleibt der Motorlauf trotz abgezogenem Kabel unverändert, tauschen Sie die Zündkerze und wiederholen Sie den Test: Sinkt beim Abziehen des Steckers die Drehzahl, war die alte Kerze defekt.

Alternativ kann die Kerze auch mit einem Zündkerzentester auf Funktion überprüft werden. Diese recht preiswerten Helferlein – im Internet findet man sie für 15–25 Euro – werden zwischen Zündkerze und Zündkabel eingesteckt und zeigen an, ob die Kerze korrekt arbeitet.

Kerzencodes verstehen

Motoren unterscheiden sich durch viele Details wie Hubraumleistung, Verdichtung und Drehzahl. Deshalb gibt es diverse unterschiedliche Kerzen. Die wichtigsten Kriterien sind der Wärmewert und der Elektrodenabstand. Der richtige Wärmewert sorgt dafür, dass sich die Kerze im Betrieb selbst reinigt (Rußrückstände verbrennt) und die Verbrennung möglichst rückstandsfrei erfolgt.

Ist der Wärmewert zu hoch, erfolgt die Verbrennung zu heiß, es kann zu Selbstentzündungen und gravierenden Motorschäden kommen; ist der Wärmewert zu niedrig, funktioniert die Selbstreinigung nicht, die Elektroden verschmutzen, und die Zündkerze wird schwach.

Da jeder Kerzenhersteller seine eigenen Kerzencodes pflegt, ist es leider nicht so einfach, die richtige Kerze für den eigenen Motor auszuwählen. Ein Beispiel: Viele klassische Fahrzeugmotoren funktionieren sehr gut mit Bosch-Zündkerzen mit dem Code W6DC. Dies entspricht der NGK-Kerze mit der Bezeichnung BP6ES oder der Champion-Kerze N9Y.

Der Bosch-Code W6DC entspricht dem alten und vielen noch geläufigen Bosch-Code W200. Alles klar? Neben dem Wärmewert informiert der Code auch über die Art der Elektroden sowie das Kerzengewinde und die Gewindelänge. Wer keine Codes auswendig lernen möchte, muss dennoch nicht verzweifeln, denn alle Kerzenhersteller bieten Vergleichstabellen an, die beim Markenwechsel helfen, die richtige Kerze zu finden.

Die wohl umfangreichste Infosammlung dazu bietet NKG mit seinem über 270 Seiten starken Klassikerkatalog, der unter der Webadresse www.ngk.de heruntergeladen werden kann. Leider ist der Katalog auf der Site sehr versteckt, deshalb ist es einfacher, über eine Suchmaschine nach „NGK Zündkerzen Klassiker“ zu suchen, um den Link zum Herunterladen zu erhalten.

Zündkerze richtig anziehen

Hier geht es nicht um Dresscode, sondern darum, wie fest Zündkerzen in den Zylinderkopf eingeschraubt werden sollten. Meist zieht man die Kerzen ja „nach Gefühl“ an, und das ist fast immer zu fest – die Kerze kann dann im Zylinderkopf festbacken. Vor dem Einschrauben müssen die Auflagefläche der Kerze im Zylinderkopf und der Dichtring der Kerze sauber und rückstandsfrei sind.

Drehen Sie die Kerze von Hand ein, bis es nicht mehr weitergeht. Neue Kerzen werden nun mit einem Zündkerzenschlüssel um etwa 90 Grad weiter gedreht und sind dann korrekt eingeschraubt. Bei gebrauchten Kerzen sollte man mit dem Schlüssel nur etwa 30 Grad anziehen.

Wer es ganz korrekt machen möchte, verwendet einen Drehmomentschlüssel, dann werden Kerzen mit dem meist verwendeten Flachdichtsitz in Graugusszylinder­köpfen mit einem Drehmoment von 20 bis 40 Nm angezogen. In Aluminiumköpfen sollte das Drehmoment zwischen 20 und maximal 35 Nm liegen.

Und wer nun noch alle 10.000 Kilometer oder einmal im Jahr, etwa beim Saisonstart, die Kerzen seines Klassikers überprüft und gegebenenfalls erneuert, erhöht in jedem Fall die Chance auf ein pannenfreies und erfreuliches Oldtimererlebnis!

TEXT: Jörn Müller-Neuhaus FOTOS: Archiv Müller-Neuhaus, Aidan Wojtas/WikimediaCommons, Klaus Ableiter/WikimediaCommons
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