Altbau am Haken

Das müssen Sie beim Kauf eines historischen Wohnwagens beachten

Wohnen Sie schon oder restaurieren Sie noch? Viele Oldiefreunde ziehen im Urlaub und auf Oldtimertreffen ihre »Dackelgaragen« oder Wohnwagen einem Hotel vor. AUTO CLASSIC verrät, worauf Sie beim Kauf eines Wohnwagens achten müssen.

„Da waren wir schon überall!“ Der Oldtimer-Wohnwagen kann auch als Aushängeschild für die Reiseroute stehen – immer mit dabei: der weiße Capri I © Michael Grote
„Da waren wir schon überall!“ Der Oldtimer-Wohnwagen kann auch als Aushängeschild für die Reiseroute stehen. Immer mit dabei: der weiße Capri I

Seltsamerweise sind die schönsten Treffen immer am weitesten entfernt. Für einen Tag lohnen sich ein paar Hundert Kilometer Anfahrt aber kaum. Hotels sind nicht jedermanns Sache, zumal sie meist ein ganzes Stück vom Ort des Geschehens entfernt sind. Die Lösung lautet: campen! Da aber nicht jeder Oldiefan gern in der faltbaren „Dackelgarage“ pennt, ist ein klassischer Wohnwagen oft die bessere Wahl.

Die Frage nach dem idealen Oldtimer-Wohnwagen ist genauso wenig zu beantworten wie die nach dem idealen Oldtimer an sich – da gehen Neigungen, Interessen und finanzielle Möglichkeiten oft weit auseinander. Jedenfalls sollte der Wohnwagen zum Zugfahrzeug passen, und zwar von Gewicht, Größe und Alter her.

Ein homogenes Gespann ist immer noch das schönste Ensemble! Dabei ist es sinnvoll, die zulässige Anhängelast des Zugfahrzeugs möglichst nicht komplett auszureizen. Schließlich ist es weder für die Technik des Klassikers noch für die Nerven des Besitzers förderlich, wenn man mit der Fuhre bei jeder Steigung zwei Gänge zurückschalten und mit Vollgas den Hang hinaufkriechen muss.

Daher fallen Wohnwagen, die nach Mitte der 70er-Jahre gebaut wurden, meistens durchs Raster: Denn spätestens zu diesem Zeitpunkt gingen die Wohnwagenhersteller dazu über, die Möbel nicht mehr aus furniertem Sperrholz, sondern aus Pressspanplatten zu fertigen – was nicht stabiler war und zudem noch mehr Gewicht auf die Waage brachte. Von netten Zutaten wie Formaldehyd und dergleichen einmal abgesehen …

Was muss der Wohnwagen können?

Zudem ist es wichtig, im Vorfeld zu wissen, wie die Ausstattung des Wohnwagens aussehen soll. Wie soll das rollende Heim genutzt werden? Geht es ausschließlich darum, während Oldtimertreffen nicht auf dem Boden zu schlafen?

Dann tut es vielleicht auch ein Falt- oder Klappwohnwagen: Diese Modelle ohne starren Aufbau haben die Vorteile, hinter dem Zugwagen nicht so sehr als Bremsklotz zu wirken und in jede Garage zu passen – zur Not auch hochkant. Oder ist Schlafkomfort wie zu Hause gewünscht, weil sich sonst die Bandscheiben beschweren?

Sollte eine Toilette an Bord sein oder zumindest eine Waschgelegenheit? Eine Kochstelle in Form eines zwei­flammigen Gasherdes ist in den meisten Wohnwagen ebenso Standard wie ein Spülbecken. Eine Heizung hingegen galt bis weit in die 70er hinein als aufpreispflichtiges Extra, und auch ein Kühlschrank war lange Zeit nicht Standard.

Dennoch müssen sich ein Wohnwagenalter von sagen wir knapp 50 Jahren und ein gewisses Maß an Luxus keineswegs ausschließen! So boten Firmen wie Eicker (heute TEC) und Mikafa bereits Mitte der 60er Wohnwagen an, bei denen nette Gimmicks wie Doppelspüle, ein abtrennbares Schlafabteil, eine Nasszelle mit Platz fürs Klo und ein Kühlschrank ab Werk an Bord waren.

Bei der Heizung konnte man wählen zwischen einem Gasofen oder einem Heizölbrenner – der natürlich auch mit Diesel funktioniert. Sobald klar ist, wie der künftige Oldie-Wohnwagen aussehen soll, wird es konkret: Eine persönliche Inaugenscheinnahme ist dabei durch nichts zu ersetzen!

Können Bilder bei einem Auto bereits lügen, können sie bei einem Wohnwagen ganze Märchenbücher füllen! Gerade die Fotos, die nicht gemacht werden, zum Beispiel vom Inneren der Staukästen, sind interessant!

Die meisten Wohnwagen bestanden im 20. Jahrhundert aus einem metallenen Fahrgestell, auf das eine hölzerne Grundplatte aufgebracht wurde. Darauf war ein Gerippe aus Holzlatten montiert, das von außen mit Aluminiumblechplatten verkleidet wurde. Je nach Hersteller konnte es sich auch um Holz oder Polyester handeln.

Komplett aus GFK konstruierte Wohnwagen, wie der SUperLEIchtCAravan (SuLeiCa) von Schäfer, haben hingegen einen selbst tragenden Aufbau. Daneben gab es noch komplette Metallkonstruktionen – wie von Westfalia – und Mischformen wie den belgischen Constructam, der unten am Aufbau eine Blechbeplankung und darüber eine Kunststoffhaube hatte.

Doch eines haben sie alle gemein: den Erzfeind Nässe! In den meisten Fällen ist nicht der Rost an Fahrgestell und technischen Elementen das Problem, sondern vielmehr die Feuchtigkeit, die den Aufbau schwächt. Sie kann an vielen Stellen eindringen – zu Beginn meist unbemerkt.

Zeigen sich Verfärbungen oder gar Wellen an den Innenverkleidungen, besteht der Schaden schon über einen langen Zeitraum. Klassische Eintrittspunkte sind zum Beispiel die Rangiergriffe an den vier Ecken, zumeist neben Front- und Heckfenster. Durch kräftiges Ziehen an den Griffen zeigt sich, ob sie noch fest in der Wand verankert sind.

Wenn es wackelt, ist Vorsicht geboten! Bei älteren Wohnwagen sind die Griffe meist durch die Wand geschraubt. Deshalb hat eine Gegenkontrolle innen Sinn: Ist die Schraube verrostet? Wie sieht die Umgebung aus? Dunkle Verfärbungen weisen auf eingedrungene Nässe hin.

Wasser bahnt sich seinen Weg

Die Heizung – soweit vorhanden – ist zumeist unter dem Kleiderschrank montiert, ihr Abgaskamin führt nach oben ins Freie. Der Kaminstutzen auf dem Dach ist verschraubt – sitzt der Konterring noch fest? Hat er sich nämlich losvibriert, läuft schnell Regenwasser in die Dachkonstruktion.

Gleiches gilt für undichte Dachluken, doch an deren Umrandung müssen leichte Wasserspuren kein Alarmzeichen sein – sie können auch entstehen, wenn die Luke bei Regen kurzzeitig offen stand. Dunkle Flecken deuten aber auf größere Nässeprobleme hin. Außerdem sollte man sämtliche Oberschränke an der Dachkante entlang auf Schäden prüfen.

Zeigen sich dort Verfärbungen oder weiche Stellen, hat es die Abdichtung unter den von außen aufgeschraubten Eckleisten dahingerafft. Bei dieser Gelegenheit lässt sich auch checken, ob die Wandverkleidung noch komplett original ist, denn bei Wohnwagen sind im Regelfall erst die Wände aufgerichtet und dann die Möbel daran aufgestellt (und ab Mitte der 70er mit langen Tackernadeln von außen fixiert) worden.

Sieht also die Wand im Wohnwagen anders aus als in den Schränken, weil sie zum Beispiel nachträglich mit „falschen Paneelen“ verkleidet wurde, ist Vorsicht geboten. Unter diesen Kaschierungen lauert oft das Grauen.

Auch durch mangelhafte Fensterdichtungen kann Nässe in die Wände eingedrungen sein. Dies kann sowohl bei Klappfenstern – wie sie in Front und Heck älterer Wohnwagen Standard sind – als auch bei statisch eingebauten Fenstern passieren. Rissige Dichtungen, Dichtwülste, die an Klappfenstern beim Öffnen kleben bleiben, oder provisorische Abdichtversuche gelten als Alarmzeichen!

Fühlt sich die Wohnwagenwand – vor allem unterhalb der Fenster – weich an, hat man einen Sanierungsfall vor sich, dessen Ausmaß selten zu überblicken ist. Schließlich ist ein kritischer Blick in alle Schränke und Staufächer – wie die Truhen unter den Sitzbänken – unabdingbar. Gerade in den Ecken sammelt sich oft Feuchtigkeit.

Sie kann durch undicht gewordene Kabeldurchführungen oder Befestigungen der Rückleuchten eingedrungen sein. Vorsicht bei muffigem Geruch! Selbst wenn man nichts sieht, sitzt die Feuchtigkeit möglicherweise unter dem (bis in die Rundungen in Bug und Heck hochgezogenen) Linoleum-Bodenbelag. Auch weiche Stellen von Handtellergröße sind bei genauerer Betrachtung meist große Baustellen.

Trocken, aber nicht unproblematisch

Einen Sonderfall stellen „Scheunenfunde“ dar: Sie sind nicht auf akute Wassereinbrüche prüfbar, denn was lange Zeit trocken überdacht gestanden hat, kann nicht feucht sein. Da ist auf Spuren vergangener Wassereinbrüche oder nachträgliche Abdichtversuche besonders genau zu achten.

Silikon hat übrigens zur Abdichtung an Fahrzeugen nichts verloren! Es härtet aus und verbirgt den Wassereintritt lediglich. Für solche Verwendungszwecke gibt es eine ausreichende Auswahl an dauerelastischen Dichtmitteln im Handel.

Zur Technik: Feststell- und Betriebsbremse funktionieren im Normalfall über Seilzüge, die gängig sein sollten. Betätigt werden die Betriebsbremsen des Wohnwagens durch die Auflaufeinrichtung an der Anhängevorrichtung. Dort sollten alle Teile gängig sein.

Ein spürbares Rucken oder polterndes Geräusch beim Beschleunigen oder Abbremsen deuten auf einen verschlissenen Auflaufdämpfer hin, dieser befindet sich vorn im Zugrohr und ist normalerweise problemlos auszutauschen. Oberflächenrost auf dem Fahr­gestell ist – aufgrund der verwendeten Materialstärken – kein Problem.

Durchrostungen de­gradieren den Wohnwagen hingegen zur Gar­tenlaube, denn Schweißarbeiten an tragenden Teilen sind für Laien tabu! Die Gasanlage ist alle zwei Jahre durch einen Fachmann zu checken, der Dichtheit und Funktionsfähigkeit mittels Eintrag im gelben Prüfungsheft und einer Plakette am Wohnwagenheck bestätigt. Für eine HU ist die bestandene Gasprüfung kein Kriterium, aber im Interesse der eigenen Sicherheit unabdingbar.

Auch die Elektrik birgt kaum Geheimnisse. Der Anschluss zum Zugfahrzeug funktioniert mittels eines sieben- oder 13-poligen Steckers. Über die sieben Adern des Verbindungskabels bei einem original belassenen Oldtimer-Wohnwagen werden Rück- und Positionsleuchten, Bremsleuchten und Blinker angesteuert.

Das siebte Kabel dient normalerweise der Versorgung des Wohnwagens mit Dauerplus von der Batterie des Zugfahrzeugs – sofern es angeschlossen ist. Fehlfunktionen sind zumeist auf Korrosion an den Steckverbindungen oder auf Masseprobleme zurückzuführen. Messingbürste und Kontaktspray wirken oft Wunder. Für ausgeblichene Lampengläser gibt es Ersatz im Fachhandel.

Die Auswahl an klassischen Wohnwagen, vor allem aus den späten 60ern und 70ern, ist heute üppig. Viele Modelle haben trocken überwintert und sind in gutem Zustand. Ein Exemplar in einer zum eigenen Oldtimer passenden Gewichtsklasse und mit idealer Innenaufteilung lässt sich schneller finden, wenn man auf keine bestimmte Marke fixiert ist.

Dabei ist der Zustand des Gehäuses stets wichtiger als frisch bezogene Polster oder neue Reifen! Ein trockener, fester Aufbau ist bei einem Wohnwagen das A und O – alles andere lässt sich zumeist problemlos richten oder beschaffen.

Die Preise sind bei klassischen Wohnwagen recht human und bewegen sich für üblich auch bei Topexemplaren deutlich unter dem damaligen Neupreis. Und wenn man erst einmal einige Oldietreffen mit dem Haus am Haken besucht hat, ist der Weg zum begeisterten Oldiecamper, der damit auch den Urlaub verlebt, oft nicht weit. Der Autor dieser Zeilen kennt das aus eigener Erfahrung ...

TEXT: Michael Grote, FOTOS: Michael Grote, D. Sassen
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