Sassendorfer Oldtimer Classic

Oldieparadies „Soester Börde“

Die Soester Börde in der Mitte Westfalens ist immer eine Ausfahrt wert. Sabine Neumann führt uns mit ihrem Käfer zu den schönsten Punkten ihrer Heimat und stellt die Sassendorfer Oldtimer Classic vor.

Mit dem Oldie durch die Soester BördeAlle Fotos soweit nicht anders angegeben: Sabine Neumann © Sabine Neumann
Mit dem Oldie durch die Soester Börde

Soest ist sprachlich ein schwieriger Fall: Söst sagen die einen, Soost die anderen. Das „oe“ darf die ehemalige Hansestadt nach der Rechtschreibreform nur aufgrund einer „dringenden Empfehlung“ des „Ständigen Ausschusses für geografische Namen“ (was es alles gibt in diesem Lande!) behalten. Wer die Stadt kennen und lieben gelernt hat, weiß, das Soester „e“ ist einfach verloren gegangen – und kein Sprachwissenschaftler hat es je bemängelt.

Soest heißt Sost und das schon seit Urzeiten. Auch Konrad Duden, der in dieser Stadt einige Zeit lebte, hat dies so akzeptiert. Emil Nolde ist ein weiterer prominenter Bewohner der Stadt gewesen; ihn hat das fehlende „e“ in der Aussprache auch nicht weiter gestört.

Soest ist schön und wer einmal in dieser kleinen Stadt am Hellweg war, der besucht sie gerne wieder. Wer die A 44 Richtung Kassel fährt, kommt unmittelbar an der Abfahrt Soest-Ost/Bad Sassendorf vorbei. Wir fuhren mit meinem VW Käfer, Baujahr 1971, 34 PS, dorthin. Über die Autobahn.

Beladen mit einem großen Koffer im Kofferraum, weiterem Gepäck samt Ehemann auf der hinteren Sitzbank und dem Sohn auf dem Beifahrersitz. Es war schwül-warmes Sommerwetter. Kein Problem im Käfer: Die zwei Seitenausstellfenster funktionierten besser als jede Klimaanlage. Es war zwar laut, ein Gespräch von daher zwecklos, aber dafür schön luftig. Prima, fast wie im Cabrio!

Nur einmal im Jahr fahre ich mit Gepäck und Familie so über die Kasseler Autobahn. Dann geht es zur Oldtimer Classic nach Bad Sassendorf. Zuvor machen wir aber immer einen kleinen Abstecher nach Soest. Für den VW- Käfer ist die Autobahnfahrt mit Gepäck und Besatzung kein Problem: Er knackt – bei freier Strecke – noch locker die 140-Kilometermarke auf dem Tacho.

Abendmahl mit Pumpernickel

Schon von weitem grüßen in Soest die Zwillingstürme der Wiesenkirche (St. Maria zur Wiese). Sie stammt aus dem Jahre 1313 und zählt zu den schönsten spätgotischen Hallenkirchen des Landes. Ähnlich wie beim Kölner Dom wird in der eigenen Dombauhütte ständig gearbeitet.

Besonders bekannt und berühmt ist ein über dem Nordportal gelegenes Fenster: Hier hat um 1.500 ein unbekannter Künstler Jesus und seine Jünger beim westfälischen Abendmahl dargestellt. Das Besondere an diesem Bildnis: Schinken, Bier und Pumpernickel, das westfälische Schwarzbrot, stehen auf dem Tisch.

Wer Kirchen liebt, ist in Soest genau richtig! Soest hat insgesamt sieben historische Gotteshäuser und dazu noch zwei Kapellen anzubieten. Das Stadtbild wird geprägt von dem mächtigen Turm des Patroklidomes. Der romanische Bau entstand nach 965 als Stiftskirche und gilt als Inbegriff der Romanik in Westfalen. Die insgesamt 11 Glocken bilden eines der größten Glockengeläute des Landes.

Besonders sehenswert ist in der Weihnachtszeit die Krippe. Obwohl – Krippe ist eigentlich der falsche Ausdruck: Ein westfälisches Landleben – mit einem kleinen plätschernden Bach, Kühen, Schafen, kleinen Bäumen, Maria Josef und dem Kind – bauen die Gemeindemitglieder jedes Jahr liebevoll auf.

Neben dem schönen alten Weihnachtsmarkt gilt diese bäuerliche Krippe in der Weihnachtszeit als eine der Hauptattraktionen von Soest.

Soest – historisches Pflaster

Soest ist alt – über 1.100 Jahre: Im Mittelalter galt die Stadt sogar als Großstadt. Der westfälische Hellweg, eine der ältesten Handelsstraßen Europas machte dies als  Salzhandelsweg möglich. Die Soester Kaufleute gehörten sogar zu den Mitbegründern der Hanse.

Die Spuren der Vergangenheit  sind auf Schritt und Tritt gegenwärtig: Vom Marktplatz aus, mit seinen schönen mittelalterlichen Fachwerkhäusern – es gibt über 600 unter Denkmalschutz stehende Gebäude – fahren wir auf Kopfsteinpflaster  und durch verwinkelte alte Gassen mit wunderschön gepflegten Gärten zum Stadtwall, der sich rund um die Stadt zieht.

Hier kann man wandern und durch die alten Bäume reizvolle Ein-und Ausblicke genießen. Bänke rechts und links des Weges laden zum Verweilen ein. Das Osthofentor, das einzig noch erhaltene Soester Stadttor ist einen Besuch wert: Der Führer erzählt stolz: „Hier lagern die Restbestände unserer städtischen Rüstkammer. Weltweit einmalig ist unsere Sammlung von Armbrustbolzen. Wir haben davon 25.000 Stück.“

Ganz stilvoll speisen kann man im Pilgrim-Haus. Es ist 700 Jahre alt und gilt damit als ältestes Restaurant der Stadt. Die Gründungsurkunde an der Wand sagt aus, dass die Stadt Soest am 2.12.1304 bestimmte, dass „durch die Felder streifende“ im Pilgrim-Haus am Jakobitor Aufnahme finden sollten. Das ist bis heute so geblieben: Gäste finden dort stets eine herzliche Aufnahme und sind von dem Essen begeistert –  wir auch!

Die Tour mit dem VW-Käfer geht weiter über die alte Bundesstraße 1, die parallel zur Autobahn Kassel verläuft. Hier können Reisende, die mit dem Pkw unterwegs sind, die fruchtbare Soester Börde entdecken. Die örtlichen Bauern bieten am Straßenrand ihre frischen jahreszeitlichen Produkte an. Das Obst und Gemüse ist noch knackig frisch, die Gurken selber geerntet und eingelegt. Zur Haupterntezeit haben die Bauernhöfe sieben Tage die Woche geöffnet.

Wohlfühlort Bad Sassendorf

Nur einen Katzensprung von Soest entfernt liegt der kleine feine Kurort Bad Sassendorf. Bad Sassendorf ist ein hübsch gepflegter kleiner Kurort mit eigener Sole-Saline in der Hellweg-Region. Ich fahre mit meinem VW-Käfer vorsichtig durch die kleine Fußgängerzone, vorbei an sauber geputzten Fachwerkhäusern; hübsche Cafes, wie das „Cafe Wunderbar“ oder das „Cafe Blaubeere“ laden mit einem kleinen Mittagstisch oder leckeren Obstkuchen zum Pausieren und Genießen ein. Der Kurparkbesuch ist lohnenswert.

Im Mai und Juni, wenn Azaleen und Rhododendron blühen, leuchten in dem kleinen Wald überall bunte Farbtupfer.

Im Bewegungszentrum im Solebad kann man nicht nur die Sauna besuchen, sondern bei warmen 28 Grad wunderbar schwimmen. Herrlich! Es gibt ein Innen- und zwei Außenbecken mit Massagedüsen für den Rücken. Von hier aus hat man auch einen guten Blick auf das Sole-Gradierwerk. Die Luft ist salzig und macht nach einem Schwimmbadbesuch durstig.

Ab geht es ins Cafe Sole mit seinen gut schmeckenden Fruchtsäften. Dazu ein leckerer Früchtequark oder Salat – und schon fühlt man sich rundherum wohl und gesund! Seit einigen Jahren gibt es hier auch eine Meersalzgrotte. Sie verschafft Linderung bei Atemwegs- und Hauterkrankungen und sorgt bei leiser Musik für wohltuende Entspannung.

Oldtimer sind gerne gesehen

Bad Sassendorf hat sich für seine Kurgäste einiges einfallen lassen! Wie zum Beispiel die Bad Sassendorfer Oldtimer Classic, die jährlich in den Sommermonaten die Oldtimerfreunde aus Nah und Fern anlockt. 2009 hatten sich 80 Automobil-Klassiker bis Baujahr 1975, darunter nicht nur mein 38 Jahre alter VW-Käfer, sondern ein Dixi DA 1 aus dem Baujahr 1928 mit 15 PS, ein eleganter Rolls-Royce Phantom II Open Tourer aus dem Baujahr 1929 und eine knubbelige  BMW-Isetta von 1960 mit 12 PS eingefunden.

Die Route führte die Teilnehmer diesmal durch Soest, Arnsberg-Neheim bis hin zum Sorpesee, wo im Hotel Seegarten eine Mittagsrast eingelegt wurde. Zurück ging es über Arnsberg-Bruchhausen, Möhnesee Delecke und vorbei am Camenhof bei Soest.

Bei der Sassendorfer Oldtimer Classic geht es noch gemütlich zu: Hier wird nicht um Zeit gefahren (Mittagsrast mindestens eine Stunde – der Stempel zählt), sondern unterwegs werden auch Wissen und Geschicklichkeit vom Fahrer und Copilot verlangt: Mit meinem VW-Käfer musste ich selbst eingeschätzte zehn Meter fahren (blind, mit verbundenen Augen), Fragen zur Möhnetalsperre („Wie groß ist der offizielle Stauinhalt der Möhnetalsperre?“) und zum Alt-Bundespräsident Heinrich Lübke (nach Besuch des Lübke-Museums) beantworten.

Und ein Jahr zuvor wurde der VW-Käfer sogar vom örtlichen katholischen Dorfpfarrer gesegnet.

Dabei hatten und haben wir immer jede Menge Spaß, lernen neue Leute kennen und die für uns noch unbekannten schönen Seiten des Sauerlandes. Übigens: Die vorderen Plätze haben wir bisher leider nie belegt – aber wie heißt es so schön: Dabei sein ist alles. Wir kommen im Juni 2010 gerne wieder zur nächsten Bad Sassendorfer Oldtimer Classic!

TEXT und FOTOS, soweit nicht anders angegeben: Sabine Neumann
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