Klein, stark, alltagstauglich

Mini Cooper, NSU TT, Simca Rallye

Der Mini Cooper, bekannt durch seine mehrfachen Erfolge bei der Rallye Monte Carlo zwischen 1964 und 1967, ist wohl die legendärste „Rennsemmel“. NSU TT und Simca Rallye stehen ihm an Erfolgen nichts nach. 

Charaktertypen: Auch von hinten sind die drei „Rennsemmeln” unverwechselbar. © Wolf Bruns
Charaktertypen: Auch von hinten sind die drei „Rennsemmeln” unverwechselbar.

Eines der wichtigsten Jahre für die Kategorie der „Rennsemmeln“, also jener kleinen Automobile, die den großen, teuren das Fürchten lehrten, war 1964. In diesem Jahr gewann nämlich ein Mini Cooper die Rallye Monte Carlo und stellte die bis dahin gültige Automobilwelt auf den Kopf.

So wurde der Mini zur Legende, aber er war nicht der Einzige seiner Art: Von Abarth bis Renault reichte das Angebot der sportlichen Renner, deren Basis immer „Brot-und-Butter-Kleinwagen“ waren.

Drei dieser Rennsemmeln - Mini Cooper, NSU TT, Simca Rallye - haben wir uns etwas genauer angeschaut und die übrigen im Anschluss an den Vergleich kurz porträtiert. Eines haben alle gemein: Man kann mit diesen Winzlingen Spaß ohne Ende haben, der bei modernen Autos unter all der Perfektion schon lange verloren gegangen ist.

Und diesen guten alten Fahrspaß gibt es sogar noch für überschaubares Geld, vor allem wenn man bereit und fähig ist, Restaurationsarbeiten selbst in die Hand zu nehmen. Allerdings steigen auch in dieser Fahrzeugkategorie die Preise, denn das Angebot an guten und originalen Modellen wird knapp.

Mini Cooper 1275S Mk. 3

Unser Foto-Cooper kurvt deutlich vernehmbar in den Vorhof von Schloss Maxlrain nördlich von Bad Aibling. Er ist ein bisschen jünger als der rote Rallye-Sieger von Paddy Hopkirk und Henry Liddon, nämlich Baujahr 1971.

Aber auch er hat immer noch diese kleinen 10-Zoll-Walzen als Reifen und die Gummifederung, die diesen Begriff eigentlich gar nicht verdient, so hart ist sie abgestimmt. Beides sorgt aber für ein Fahrgefühl, das allenfalls mit einem Gocart zu vergleichen ist.

Aber wir greifen vor.  Heraus steigt Robert Stadick, der 1. Vorsitzende des Mini-Club München e. V. (www.mcm1980ev.de). Was heißt hier „steigt“? Er flutscht trotz gewisser Leibesfülle mit erstaunlicher Eleganz aus der vom Überrollkäfig verengten Fahrertür. Wir üben später unter seiner Anleitung, ebenso geschmeidig ein- und auszusteigen, was uns aber nicht gelingt.

Wir bestürmen ihn mit Fragen: Warum Überrollkäfig? Weil Robert Stadick und seine 19-jährige Tochter bei Slalom-Wettbewerben antreten, und zwar stets weit vorne.

Tochter Patricia hängt ihren Papa zuweilen auch mal ab, zum Beispiel beim ACM Club-Pokal 2009, wo sie vier Plätze vor ihrem Vater auf Platz 6 landete. Aber der Vaterstolz macht die Schmach wett, und so grämt sich Robert Stadick auch nicht weiter, zumal er ohnehin genug Pokale gesammelt hat.

Nächste Frage: Kommt das Auto mit diesem, zwar nicht unangenehmen, aber doch sehr kernigen Auspuffsound durch den TÜV? Kein Problem, die Lautstärke entspricht genau der, die in den Papieren steht.

Wahrscheinlich hält man das Geräusch nur deshalb für laut, weil es aus so einem kleinen Auto kommt.

Der Mini Cooper 1275S Mk. 3 ist die letzte Inkarnation von John Coopers Motorsportlegende. Schon die serienmäßigen 74 PS ziehen den kleinen Sportler kräftig vorwärts, der blaue Blitz von Robert Stadick verfügt sogar über mehr als 100 PS: Verantwortlich dafür ist eine klassische „Frisur“ mit bearbeitetem Zylinderkopf, Weber DCOE-Doppelvergaser mit zwei hübschen runden Sieben statt Luftfilter, die allenfalls Partikel in Rollsplitgröße zurückhalten könnten, und einer scharfen Nockenwelle für extralange Öffnungszeiten. Mit einem Leistungsgewicht von 6 Kilo/PS liegt sein Cooper gleichauf mit einem BMW Z4 2.5si, entsprechend geht die Post ab.

Wie kam er zu seinem ersten Mini? Robert Stadick, der im zivilen Leben Heizkraftwerke plant, war bis 1976 eingeschworener Motorradfahrer und wäre das sicher auch noch etliche Jahre geblieben, wenn es da nicht diesen Freund gegeben hätte mit dem Mini, der nicht mehr lief.

Der Freund wollte das Auto loswerden. Man einigte sich auf 200 Mark. Robert hatte keine allzu große Mühe, das Auto wieder zum Laufen zu bringen, und schon war der Mini-Virus gepflanzt! Bei der ersten Probefahrt stellte er fest, dass Fahren auf vier Rädern durchaus so viel Spaß machen kann wie auf zweien, wenn sie denn zum richtigen Auto gehören.

Zwei Jahre später saß die Mini-Begeisterung schon so tief, dass der Spargroschen der Ehefrau, mit deren Einverständnis natürlich, einem echten Cooper geopfert wurde. 7.000 DM waren 1978 eine hübsche Stange Geld.

Dabei blieb es aber nicht: 1980 begann die Restauration, und aus dem braven und originalen Cooper Mk. 3 wurde die dunkelblaue Rennmaschine, über die wir hier berichten.

Und wie fährt er sich? Man fädelt sich ein und sitzt erstaunlich kommod, wenn auch sehr nahe an der Fahrbahn. Der Motor gebärdet sich zivil, es ist innen leiser als außen, aber wenn man Gas gibt, erlebt man genau das, was man mit „gefühlter Geschwindigkeit“ beschreiben könnte.

Die Landschaft scheint deutlich schneller vorüberzuziehen als in einem neuzeitlichen Fahrzeug bei gleicher Geschwindigkeit. Kurven werden ohne jede Seitenneigung genommen, ein Grenzbereich ist, zumindest auf öffentlichen Straßen, nicht zu erahnen.

Die vorderen Scheibenbremsen – nur echte Cooper hatten die bis 1971 – packen kräftig zu und verstärken den Gokart-Fahreindruck.

Der Verstand sagt, dass es eine Mischung aus Geräusch, dem Mitfühlen der Fahrbahnoberfläche und der tiefen Sitzposition sein muss, aus der dieses unvergleichliche Geschwindigkeitserlebnis gebraut wird. Lassen wir es mal so stehen und begnügen uns mit dem Fazit: Die Kilometer, die man mit einem Mini Cooper zurücklegt, sind einfach mehr wert als normale Kilometer.

TEXT und FOTOS: Wolf Bruns
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