45 Jahre Jeep: Ein Porträt

Willys Jeep MB - Vom Kriegsgerät zum Freizeitklassiker

Der Willys Jeep war Anfang der 40er- bis Ende der 50er-Jahre unverzichtbar für die US-Armee und andere Streitkräfte. Er wurde in Kultserien wie M.A.S.H. und diversen Filmen zur Legende. Bis heute hat der Urvater aller Geländewagen viele Fans. Ein Porträt.
Urahn aller Geländewagen: Der Willys Jeep MB © Jörn-M. Müller-Neuhaus
Urahn aller Geländewagen: Der Willys Jeep MB

Korbinian Stanglmeier genießt es, mit einem seiner beiden Jeeps über die Feldwege zu räubern. Der kräftige 2,2-Liter-Vierzylinder brummt sonor vor sich hin, das Freiluftgefühl im türlosen Jeep ist grenzenlos, der Blick auf die Landschaft verheißt Freiheit und Lebensfreude.

Das war nicht immer so, denn der Jeep ist ein Kind des Militärs, und sollte als solches keine Freude bereiten, sondern Kriege gewinnen helfen. Der Willys Jeep MB, wie die zwischen 1942 und 1945 meistgebaute Variante heißt, und seine Nachfolger bewegten die Truppen der Amerikaner in vielen Krisengebieten dieser Erde.

Die ersten Prototypen entstanden zwischen 1939 und 1940, aufgrund einer Ausschreibung für ein neues Allzweckfahrzeug für die US-Armee. Von über 100 angeschriebenen Firmen nahmen nur die American Bantam Car Company, Willys Overland und Ford die Herausforderung an, nur 49 Tage nach Erhalt der Ausschreibung einen fahrfertigen Prototypen zu präsentieren.

Als wäre das nicht schwer genug, forderte die Ausschreibung weiterhin, das neben dem Prototyp innerhalb von 75 Tagen 70 Testfahrzeuge zu liefern seien!

Für die endgültige Testphase wurden von jedem der drei Hersteller 1.500 Fahrzeuge geordert, die anschließend in einem gigantischen Feldtest von allen Armee-Verbänden auf Herz und Nieren getestet wurden.

Der Sieger war der Willys Jeep. Er verfügte mit 60 PS über den stärksten Motor des Testtrios und war zudem noch am günstigsten. In einem ersten Auftrag wurden 16.000 Willys Jeeps bestellt.

Damit im Kriegsfalle die Jeep-Produktion nicht durch Sabotage unterbrochen werden konnte, wurde Ford als zweiter Lieferant ins Boot geholt. Sie bauten bis 1945 den Willys Jeep in Lizenz.

Der von Willys produzierte Wagen mit der Typbezeichnung MA wurde vor dem Beginn der eigentlich Großserienproduktion noch überarbeitet und als Typ MB bis Kriegsende über 370.000 Mal gebaut, weitere 270.000 Exemplare wurden bis 1945 von Ford gebaut, unter dem Namen Ford GPW.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Jeep mit wenigen Änderungen als Jeep CJ2 (C für civilian) bis zum legendären CJ7 bis Mitte der 80er-Jahre weiter produziert.

Auch in anderen Märkten war der Jeep erfolgreich: Der französische Automobilhersteller Hotchkiss baute den zivilen Jeep seit 1958 mit der Bezeichnung M201 in Lizenz nach, in Indien entstanden Lizenz-Jeeps beim Autoproduzenten Mahindra, in Japan baute Mitsubishi den Typ MB in Lizenz und sogar in Taiwan wurde der Jeep unter der Bezeichnung „National Double Ten“ produziert.

Unkaputtbar in Krieg und Frieden

Dass der Willys Jeep so erfolgreich war, liegt natürlich an dem ebenso simplen wie robusten technischen Aufbau. Der Wagen ruht auf einem stabilen Rahmen und besitzt vorne wie hinten Starrachsen mit Blattfedern und Teleskopdämpfern.

Als Antrieb dient ein 2,2-Liter-Vierzylinder, der stattliche 60 PS über ein Dreiganggetriebe an die Hinterachse schickte, der Allradantrieb konnte zugeschaltet werden.

Die Technik ist robust und kann buchstäblich von jedem Dorfschmied repariert werden. Dazu kommt, dass alle Teile zwischen den Willys- und den Ford-Jeeps untereinander austauschbar sind, was die Ersatzteilversorgung und Wartung vereinfacht.

Die Karosserie ist ein Muster an spartanischer Praktibilität: es gibt vier leidlich bequeme Stühle, ein großes Lenkrad, ein paar Instrumente, eine umklappbare Frontscheibe, diverse Haltegriffe sowie Befestigungspunkte für Spaten, Axt und andere Werkzeuge. Ein Stoffdach und rudimentäre Stofftüren kann man anbauen.

Wichtiger waren die verschiedenen Auf- und Anbauten, mit denen der Jeep an unterschiedliche Aufgaben angepasst werden konnte. Vom Gewehrhalter über eine Anhängerkupplung bis hin einem an der Frontpartie montierten „Wire Cutter“.

Dieses sensenartige Werkzeug diente dazu, vom Feind über die Wege gespannte Drähte zu zerschneiden, bevor sie die – meist mit geklappter Scheibe fahrenden – Soldaten verletzten.

Aber es gab auch Fahrzeuge für spezielle Aufgaben, etwa den sandfarbenen SAS-Jeep, der von der britischen Spezialeinheit „SAS –Special Air Service“ eingesetzt wurde, um die vom „Wüstenfuchs“ Rommel angelegten Flughäfen zu zerstören. Um auch auf längeren Streckenmobil zu bleiben, waren diese Wüsten-Jeeps bis zum Limit mit Benzinkanistern bestückt.

Wer jetzt glaubt, diese Fahrzeuge seien nur als Spielzeug für Feldwege und kurze Trips zum Clubtreffen geeignet, irrt. Ein Jeep bietet ausreichend Platz für Gepäck und zwei bis drei Personen, ist zuverlässig, erreicht auf ebener Strecke eine Marschgeschwindigkeit von knapp 100 Kilometern pro Stunde, überwindet auch den steilsten Alpenpass ohne Murren und hat mit seinem 40-Liter-Tank eine Reichweite von 250 bis 280 Kilometern.

Fit fürs Gelände und die Reise

Für Florian Stanglmeier sind daher auch Reisen nach Italien mit dem Jeep kein Abenteuer, sondern ganz normaler Oldtimeralltag. Und er räumt auch gleich noch mit einem weiteren Vorurteil auf: Jeep-Liebhaber sind mitnichten alles Freaks, die den Jeep aus Liebe zum Militärbesitzen.

Den meisten geht es wie Stanglmeier auch: Sie sind in erster Linie fasziniert von der Technik und der Form sowie dem urigen Fahrspaß, den der geländegängige Ami bietet.

Marktwerte

Frühe MB oder gar MA sind etwas teurer als der klassische MB mit dem Pressstahl-Kühlergrill und Lizenzfahrzeuge, etwa von Hotchkiss, sind etwas günstiger als originale Willys Jeeps. Der Fahrspaß ist derselbe.

Modelle: Willys Overland Jeep MB
Baujahr: 1942–45

Zustand (in Euro) 1: 35.000, 2: 23.000, 3: 15.400, 4: 8.400, 5: 3.500

TEXT und FOTOS, sofern nicht anders angegeben: Urahn aller Geländewagen: Der Willys Jeep MB
Fotos: 
order242/CommonsMedia, Sicnag/CommonsMedia, Louise Wolf/CommonsMedia, Christopher Ziemnowicz/CommonsMedia, Christopher Ziemnowicz/CommonsMedia
Artikel aus Auto Classic Ausgabe 06/2015. Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren