Vorbereitung ist alles

Den Oldie selbst überführen: Tipps für den großen Tag

Wer seinen Oldtimer auf eigener Achse nachhause befördern möchte, sollte diese Unternehmung nicht auf die leichte Schulter nehmen – erst recht, wenn es sich um größere Distanzen handelt.
 
Auto Oldtimer © fotolia.com / photoflorenzo
Oldtimer wollen auf die Straße – am besten schon von Tag eins an, bei der Überführungsfahrt auf eigener Achse.
Naturellement könnte man einen neuerworbenen Oldtimer auf einfache Weise zu sich befördern. Man könnte sich einen Kfz-Anhänger mieten. Außer einem Führerschein der Klasse BE bräuchte man dazu nichts weiter. Falls man Geld ausgeben mag, könnte man auch einen Überführungsservice beauftragen, der per Abschlepper den liebevoll gepflegten A-Ascona holt. Aber falls das Auto TÜV hat und fahrtauglich ist, könnte man sich auch damit auf eine Sentimental Journey begeben und es auf eigener Achse überführen. Ein toller Startschuss für eine erfolgreiche Verbindung zwischen Mensch und Maschine.

Macht die Eigenüberführung Sinn?

In diesem Sinne muss man „Überführung“ wirklich definieren. Wenn man den „neuen Alten“ 30 Kilometer vom eigenen Heimatort entfernt erwirbt, kann man eher von einem Katzensprung sprechen. Eine echte Überführung beginnt jenseits der 100 Kilometer. „Mal zwei“, denn man muss die Strecke ja hin und zurück absolvieren. Je nach Entfernung ist das eine gehörige Anstrengung und Experten raten dazu, die 1000 Kilometer/Tag nicht zu überschreiten bzw. eine Gesamt-Fahrzeit von zehn Stunden. Wer als Nordlicht im Badischen sein Auto abholen will, sollte da der Vernunft wegen auch eine Übernachtung einplanen. Keine Frage, eine solche Fahrt kann, selbst wenn alles glatt läuft, zu einer „Ochsentour“ werden.
Aber: Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, seinen Neuerwerb besser kennenzulernen – das hat auch viel mit Besitzerstolz zu tun, wenn man gleich nach dem Kauf ein solch gemeinsames Abenteuer durchlebt. Und natürlich kommen auf einer so langen Fahrt unweigerlich auch etwaige technische Probleme, Eigenheiten ans Licht, die bei der Probefahrt verborgen blieben.

Auto-Lenkrad
Für die Mensch-Auto-Beziehung kann es nur von Vorteil sein, wenn sie gleich mit einer ausgedehnten Fahrt beginnt. fotolia.com © Tomasz Zajdan


Das Wichtigste: Die Kennzeichen

In aller Regel werden Autos abgemeldet übergeben, auch wenn mancher Privatverkäufer es vielleicht anders handhaben mag. Insbesondere ob der Tatsache, dass unterwegs auch (theoretisch) ein kapitaler, mutwillig verschwiegener Fehler auftreten kann, der einen sofortigen Rücktritt vom Kaufvertrag rechtfertigt, sollte man aber nicht den Weg „Papiere zuschicken lassen, anmelden, Auto mit H-Kennzeichen abholen“ gehen. Nein, für die Überführung taugen nur zwei Varianten:
  1. Das rote 07er Wechselkennzeichen, schließlich berechtigt dessen Besitz ja auch zu Überführungsfahrten. Allerdings funktioniert das natürlich nur, wenn man bereits Oldtimer besitzt.
  2. Die unbürokratische, schnelle Kennzeichenvariante, das Wechselkennzeichen. Mit Personalausweis und eVB-Versicherungsnummer zur Zulassungsstelle im Heimatort fahren, 13,10€ bezahlen, Kennzeichen anfertigen lassen und die Fahrt kann für fünf Tage absolviert werden.
Wichtig: Sowohl rote Nummer wie Kurzzeitkennzeichen können im EU-Ausland (speziell Italien und Schweden) Probleme bereiten. In dem Fall sollte zwingend eine grüne (internationale) Versicherungskarte mitgeführt werden.

Ein Freund, ein guter Freund

Natürlich kann man per Zug und Co. zum Abholort gelangen. Wesentlich spaßiger und auch mit Pannen im Hinterkopf sinnvoller ist es jedoch, dazu eine, gerne Kfz-versierte, Vertrauensperson mitzunehmen. Mit einem Auto fährt man gemeinsam hin, getrennt, aber der Sicherheit wegen im Mini-Konvoi, wieder zurück.
Tipp: Falls man sich auf die Tour ein Paar sogenannte PMR-Walkie-Talkies mitnimmt, kann man unterwegs Gespräche führen, auch wenn man sich im Verkehr mal aus den Augen verliert.


Einen autokundigen Helfer dabeizuhaben, zahlt sich nicht nur bei Pannen aus, es macht auch die Hinfahrt deutlich kurzweiliger. fotolia.com © Jacob Lund

Pannenhelfer

Vor allem, wenn die Vorgeschichte des Autos nicht ganz transparent sein sollte, ist es faktisch Pflicht, auf dieser Tour die ADAC-Karte dabeizuhaben. Aber was ein echter Oldtimer-Schrauber ist, der ruft die gelben Engel nicht, wenn es nicht unbedingt sein muss. Daher gehört auf dem Trip auch eine gut bestückte Werkzeugkollektion an Bord. Darunter:
  • alles, was es für Reifenpannen benötigt
  • Schlauchschellen und Kühler- bzw. Kraftstoffschlauch-Meterware
  • Keilriemen
  • Diverse Sicherungen
  • Ersatzbatterie und Einbauwerkzeug (i.d.R. Ratsche mit Verlängerung und 13er Nuss sowie ein 10er Maulschlüssel)
  • Großer und kleiner Ratschenkasten
  • Reserveglühbirnen
  • Voller 20-Liter-Reservekanister
  • Hammer, falls der Anlasser hakt
  • Wechselgriff-Schraubendreher
  • Ein fünf-Liter-Kanister oldtimertaugliches 20W-50-Öl (keinesfalls dünner, das vertragen alte Dichtungen oft nicht)
  • Ein zehn-Liter-Kanister Wasser und ein fünf-Liter-Kanister Kühlflüssigkeit
  • Eine Dose zum Auto passende Bremsflüssigkeit (DOT5.1 auf Glykolbasis darf mit DOT3 und -4 gemischt werden. Keinesfalls DOT5 auf Silikonbasis mit anderen Bremsflüssigkeiten mischen!
Dazu noch Abschleppseil, Lappen, Stirnlampe und ein Engländer-Schlüssel und man ist für alle am Straßenrand behebbaren Pannen vorbereitet.

Musik

Je nachdem, wie gut (oder schlecht) Radio und Lautsprecher im Oldtimer den Zahn der Zeit überstanden haben, wird das eine ziemlich ruhige Fahrt. Mehrere Stunden nur dem Motor und der Auspuffanlage zuzuhören, ist schlecht für die Aufmerksamkeit. Das muss nicht sein. Mit im Gepäck sollten ein Berg an roadtriptauglichen Songs (klassisch natürlich aus dem Baujahr des Neuerwerbs) als mp3 auf dem Handy sowie ein Bluetooth-Lautsprecher sein. Die Kombination reicht, um sich im Hintergrund beschallen zu lassen, und man bekommt trotzdem noch den Motorsound mit. Zigarettenanzünder-Stecker und Ladekabel nicht vergessen.

Bequeme Kleidung

Es mag verlockend sein, den Oldtimer zeitgenössisch gekleidet wie bei der GTÜ-Sternfahrt zu überführen. Allerdings handelt es sich hier nicht um eine Genuss-, sondern Arbeitsfahrt. Da sollte man Kleidung der Kategorie „bequem und robust“ tragen. Und falls es kühl ist und man sich nicht auf die zweifelhafte Dichtigkeit eines 40-plus-X-Jahre alten Heizungs-Wärmetauschers verlassen möchte, darf es ruhig eine Strickjacke sein.

Kulinarisches

In den meisten Fällen wird der Großteil der Überführung auf den ausgebaut-möglichsten Straßen erfolgen, sprich, Bundesstraßen und Autobahnen. Natürlich könnte man Hunger und Durst an Rastplätzen stillen – wenn man die dortigen Preise bezahlen möchte und damit leben kann, dass es dort meistens nur Nahrung gibt, die ob ihres Kaloriengehalts eigentlich so gar nicht für lange Reisen taugt, weil sie so träge macht. Besser und günstiger ist es deshalb, sich zuvor selbst ein langstreckentaugliches Picknick-Paket zu schnüren. Das sollte enthalten:
  • Mindestens drei Liter (Mineral-)Wasser
  • Einige Muntermacher (Cola, Energydrinks usw.). Am besten in verschließbaren Flaschen, damit es bei einer Vollbremsung nicht gleich zum zuckrigen Innenraum-Malheur kommt
  • Müsliriegel für die Nährstoffversorgung
  • Eine Tüte Studentennahrung
  • Kleingeschnittenes Obst bzw. Gemüse
Und natürlich ist auch das klassische Butterbrot erlaubt. Das sollte man sich allerdings vor der Abfahrt in mundgerechte „Reiterchen“ schneiden und in eine verschließbare Brotdose packen, damit man es während der Fahrt komfortabler


Bei jeder Rast sollte nicht nur ans eigene leibliche Wohl gedacht werden, sondern auch das des neuerworbenen Blech-Schatzes. fotolia.com © ArTo

Vorsicht unterwegs

Kommen wir zu ein paar Verhaltensregeln. Primär sollte klar sein, dass es bei der Überführungsfahrt nur darum, geht, den Wagen sicher nachhause zu befördern. Aus dem Grund sollte man sich auch so weit wie möglich vom Grenzbereich entfernt halten. Auf der rechten bzw. mittleren Autobahnspur einfach mitzuschwimmen ist ein Garant dafür. Und insbesondere, weil man den Wagen und sein Verhalten noch nicht kennt, sollte man die üblichen Abstände noch peinlicher einhalten (und auch seinen Konvoi-Kollegen vorher so instruieren).
Und dann gilt:
  • Die Tachoeinheit, insbesondere Kühlmitteltemperatur- und Öldruckskala, niemals für länger als fünf Minuten aus dem Blick verlieren.
  • Mit der Drehzahl im unteren Bereich bleiben.
  • Immer mit einem Ohr auf die Fahrgeräusche achten. Falls sich da etwas ändert, am nächsten Rastplatz anhalten und nachsehen.
Zudem sollte man alle zwei Stunden eine Rast einlegen – dabei aber nicht nur an sich denken, sondern auch den Wagen. Sprich, Motorhaube öffnen, die Flüssigkeitsstände kontrollieren und auch mal einen Blick unters Auto werfen, um sich zu vergewissern, dass da nichts tröpfelt.
Wenn man sich an all das hält, kommt man zwar mit einem neuen Oldtimer nachhause. Aber einem, den man bereits schon gut kennt und mit dem man das erste Abenteuer gut überstanden hat. Besser kann das neue Besitzerdasein nicht beginnen.